Henkel gegen Wowereit : „Verlierer war der Zuschauer“

Das Rededuell der beiden Spitzekandidaten von SPD und CDU im RBB wirkte insgesamt wenig glanzvoll. Wie Debattierexperten die erste und einzige TV-Begegnung zwischen Frank Henkel und Klaus Wowereit bewerten.

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Rhetorisch war das nichts: Sowohl Klaus Wowereit als auch Frank Henkel zeigten deutliche Schwächen, sagen Debattierexperten.
Rhetorisch war das nichts: Sowohl Klaus Wowereit als auch Frank Henkel zeigten deutliche Schwächen, sagen Debattierexperten.

Am Dienstagabend standen sich die Spitzenkandidaten von SPD und CDU für die Abgeordnetenhauswahl zum ersten und einzigen Mal direkt im Fernsehen gegenüber. Dabei zeigten der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Herausforderer Frank Henkel unterschiedliche Stärken und Schwächen, was Sprache, Kontaktfähigkeit und Inhalt betraf.

Klaus Wowereit setzte ab Beginn der Debatte auf Angriff, hatte aber deutliche Schwächen in der Verteidigung. Er wirkte nervös, verhaspelte sich mehrfach, sagte Sätze wie: „Ich lasse mir diesen Schuh nicht anziehen“. Dass der Ton der Debatte unangenehm aggressiv wirkte, hatte Wowereit mitverschuldet, der seinem politischen Gegner gleich bei dessen erster Antwort polternd ins Wort fiel, worauf Henkel konterte: „Ich wollte mich ja sachlich auseinandersetzen, aber bitte, ich kann beides.“

Wowereits Antworten auf die Kritik des CDU-Spitzenkandidaten wirkten inhaltlich oft hilflos und ausweichend. Dem Vorwurf, unter seiner Regierung seien 4000 Polizisten entlassen worden, begegnete er mit der Antwort, es habe sich „nicht ganz“ um 4000 Stellen gehandelt, außerdem seien 1000 in der Verwaltung gekürzt worden. Wowereit punktete jedoch mit Augenkontakt zum Zuschauer. Das vermittelte Bürgernähe. Beim Thema Arbeitslosigkeit betonte er „Wir dürfen niemanden aufgeben“ und erklärte, den Krawallen in Berlin könne man nur mit Hilfe der Bevölkerung begegnen. Der demonstrative Blick in die Kamera wirkte mitunter plump, dennoch blieben Kontaktfähigkeit und Glaubhaftigkeit die Stärken Wowereits.

Frank Henkel begegnete Wowereits aggressivem Ton ruhig und sachlich, hatte eine klare, bildhafte Sprache. Sätze wie „aus einem Landschaftsgärtner wird kein Bildhauer“ blieben im Gedächtnis. Geschickt arbeitete der CDU-Kandidat mit Wortwiederholungen und Modulation, verlieh seinen Schlussfolgerungen mit der simplen Frage „Verstehen Sie?“ Nachdruck. Durch Unterbrechungen ließ er sich nicht beirren, verlor den roten Faden seiner Ausführungen nicht. Seine ruhige Ausstrahlung konterkarierte er jedoch, als er mit Moderatorin Claudia Nothelle in eine Diskussion über die Redezeit der Kandidaten stritt. Er wirkte zwar inhaltlich größtenteils besser vorbereitet und entspannter als sein Kontrahent, blieb aber sehr förmlich und war dadurch wenig einnehmend.

Außerdem lag Wowereit bei den beiden zentralen Themen Bildung und Sicherheit deutlich vorn. Henkel verstrickte sich in Widersprüche, forderte einerseits, Berlins Schüler vorerst mit weiteren Reformen in Frieden zu lassen, andererseits verlangte er die Rücknahme bereits eingeleiteter Reformen. Zum zentralen CDU-Wahlkampfthema innere Sicherheit wusste Henkel insgesamt wenig zu sagen. Wowereit dagegen stellte klar, dass eine erhöhte Polizeipräsenz nicht ausreiche, um Autobrände zu verhindern.

Der Verlierer in diesem TV-Duell war klar der Zuschauer, von einer schönen Debattenkultur konnte nicht die Rede sein. Das lag sowohl am aggressiven Ton, der das Duell beherrschte, als auch an den Moderatoren. RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle und Chefredakteur Christoph Singelnstein wirkten deplatziert und lieferten einen glanzlosen Auftritt, unterbrachen häufig und vergeudeten kostbare Minuten mit wiederholten Hinweisen auf die knappe Rede- und Sendezeit.
Benedikt Nufer ist Präsident des Verbands der Debattierclubs an Hochschulen e.V. Er hat an der Uni Hamburg Geschichte und Politikwissenschaft studiert und promoviert dort derzeit am Fachbereich Geschichte. Sarah Kempf ist Journalistin. Sie hat jahrelang an Debattier-Wettbewerben teilgenommen, auch als Jurorin.

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