Berlin : Her mit dem Geld! Hier spricht die Polizei

Ermittler wollen bei Kriminellen verstärkt Vermögen abschöpfen / Statistik 2002: weniger Delikte, jüngere Täter

Michael Mara

Potsdam. Brandenburg schlägt im Kampf gegen die Kriminalität neue Wege ein: Straftäter sollen künftig viel stärker als bisher zur Kasse gebeten werden. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) sagte am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik, mit der „Vermögensabschöpfung“ wolle man Kriminelle „an einer empfindlichen Stelle treffen“.

Der Chef des Landeskriminalamtes (LKA), Axel Lüdders, bezifferte den rechnerischen Gesamtschaden der registrierten Straftaten auf rund sieben Millionen Euro im Jahr 2002. Rechne man die Gewinne aus Straftaten hinzu, komme man auf eine geschätzte Summe von 15 bis 16 Millionen Euro, die einkassiert werden könne, so Lüdders. Nicht nur den Urhebern schwerer Straftaten will man ans Portemonnaie, sondern auch jenen, die „kleine und mittlere Delikte“ begingen. Eine Arbeitsgruppe des Innen- und Justizministeriums soll jetzt Polizisten und Staatsanwälte anleiten, „von der Vermögensabschöpfung intensiver Gebrauch zu machen“. Außerdem will das LKA mehr Beamte für Ermittlungen abstellen. Die eingezogenen Vermögen sollen auch den Opfern zugute kommen.

Bestürzt zeigte sich Schönbohm über die Entwicklung der Jugendkriminalität. Während die Zahl der registrierten Straftaten im letzten Jahr um rund 2200 auf 244328 auf den niedrigsten Stand seit 1994 zurückgegangen ist, sei der Anteil der jugendlichen Täter an der Gesamtkriminalität „erschreckend hoch“. Über 30 Prozent aller Tatverdächtigen seien jünger als 21, bei Gewalttaten sogar jeder zweite Tatverdächtige. Dabei beträgt der Anteil der unter 21-Jährigen an der Bevölkerung nur 21,5 Prozent.

Schönbohm sprach von einer „schleichenden Verrohung“. Trotz des positiven Gesamttrends ist die Zahl der Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit um 0,8 Prozent auf 21754 Fälle gestiegen. Allein die Zahl der Körperverletzungen erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 13077. Auch die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahmen um zwölf Prozent auf 1610 zu. Zu den Straftaten mit steigender Tendenz gehören auch Unterschlagung, Insolvenzstraftaten, Erpressung sowie Korruptions- und Amtsdelikte. Bei letzteren gibt es sogar einen Rekord-Anstieg um 90 Prozent auf 328 Fälle. Um 2,5 Prozent auf 14268 gestiegen ist auch die Zahl der Straftaten gegen das Ausländer-und Asylverfahrensgesetz.

Zu den Straftaten mit sinkender Tendenz gehören Mord (25, gegenüber 34 im Vorjahr), Totschlag (45, vorher 62), Raubüberfälle auf Banken (37, vorher 57), sonstige Raubüberfälle (656, vorher 683) und auch Auto- und Ladendiebstahl, Wohnungseinbrüche am Tage, Brandstiftung, Straftaten gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie Rauschgiftdelikte.

Bei letzteren ist die Zahl mit 5102 (Rückgang gegenüber 2001 um 5,8 Prozent) immer noch hoch. Auch sei es Besorgnis erregend, so Schönbohm, dass fast 60 Prozent der Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre seien. Um die jungen Menschen zu schützen, werde Rauschgifthandel schwerpunktmäßig bekämpft. Man werde mit aller Konsequenz „Kleinhändler im Umfeld von Schulen, Diskotheken und Jugendzentren verfolgen“.

Insgesamt ermittelte die Polizei im letzten Jahr 93599 Tatverdächtige, 21,7 Prozent davon waren laut Statistik Nichtdeutsche. Von den registrierten 244328 Straftaten konnten 55,1 Prozent aufgeklärt werden. Mit dieser Aufklärungsquote liege Brandenburg in Deutschland in der Spitzengruppe.

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