Berlin : Her mit der Kohle! Polizei verdirbt wilden Grillern den Appetit

Bei der Kontroll-Premiere stellten Beamte viele Sünder, die alle dieselbe Ausrede hatten

Jörn Hasselmann

35 € Verwarnungsgeld, 12,50 € Bearbeitungsgebühr, 2,35 € Zustellgebühr. Macht 49,85 €: Die Grill-Polizei kassierte gestern im Tiergarten ab. In drei Stunden wurden 14 Anzeigen wegen unzulässigen Grillens und drei wegen im Grün abgestellter Autos geschrieben. Ein Grill wurde beschlagnahmt, dazu gab es zahllose mündliche Verwarnungen. 14 Beamte des Bezirksamts Mitte waren mit fünf Polizisten nachmittags ausgeschwärmt. Sünder waren alle, die nördlich der John-Foster-Dulles-Allee ihre Kohlen angezündet hatten; dort ist offenes Feuer verboten.

Recht gemächlich und entspannt pirschten sich die Beamten durch die Büsche an die lagernden Familien heran, wussten sie doch: Die Griller können nicht so schnell weg. Einige Väter, die sahen, wie sich die von einer Journalistentraube umschwärmte Grillpolizei näherte, schickten Kinder als Kundschafter vor. Ist Grillen etwa verboten?, fragten die Kleinen – und die Alten hörten: ja. „Das wusste ich nicht, hier steht doch kein Schild.“ Diese Ausrede hörten Grünflächenamtsleiter Harald Büttner und seine Mannen immer wieder, doch allein, sie zog nicht. „Wo nichts steht, darf man nicht“, erklärt Büttner immer wieder, schließlich sei der Tiergarten eine geschützte Grünanlage.

Das offizielle Grillgebiet im Tiergarten erstreckt sich auf der anderen Seite der John-Foster-Dulles-Allee bis zur Straße des 17. Juni und zum Spreeweg. 22 Schilder sind es, die darauf hinweisen, wie Büttner jedem erklärt. Und auch dort dürfen nur handelsübliche Gartengrills entzündet werden, mit portioniertem Fleisch auf dem Rost. Keinesfalls erlaubt sind halbe Hammel oder Lämmer, die sich – wie zuletzt häufig beobachtet – auf einem Spieß über offenem Feuer drehen.

Ganz falsch machte es auch Familienvater Y. aus Tiergarten. Als er die ersten Polizisten über die Wiese kommen sah, holte er schnell die letzten Steaks vom Rost, kippte die glühenden Kohlen ins Gebüsch. Doch Büttner und die Polizei hatten den Vertuschungsversuch beobachtet. Der sei „strafverschärfend“, sagte der Grünflächenamtsleiter kopfschüttelnd, „Das wird teuer.“ Bei „schwer wiegenden Verstößen“ steigt der Bußepreis. Das hatte Stadtrat Dirk Lamprecht schon vorher angekündigt. Und glühende Kohlen ins Gebüsch zu kippen, ist ein schwer wiegender Verstoß. „ Die Bäume verlieren schon das Laub durch glühende Kohle an der Wurzel“, sagte ein Gärtner.

Ausreden, Klagen und Beschimpfungen musste die Grillpolizei in vielen Variationen ertragen. „Das geht gegen Ausländer“, schimpfte ein Türke. Stimmt nicht, die Familie von Dr. N. aus Steglitz war genauso dran: „Unverschämtheit“, schimpfte Frau N. „Wir kommen doch jede Woche“, sagte ein anderer türkischer Familienvater treuherzig und bekam von dem Bezirksamtsmitarbeiter die Antwort: „Wir jetzt auch.“

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