Herbst 1989 : Einstige Gegenspieler erinnern gemeinsam an 4. November 1989

Vertreter der Linkspartei und ihre Rosa-Luxemburg-Stiftung, aber auch der einstige Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP), Konrad Elmer-Herzig, weisen Kritik von ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern am Umgang mit der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 zurück.

Lars von Törne

Anlass ist eine von der Stiftung geplante „Rekonstruktion“ der größten nichtstaatlichen Demonstration der DDR vom 4. November 1989 zum 20. Jahrestag am nächsten Mittwoch.

Bei der Demonstration sprachen sich fünf Tage vor dem zu der Zeit noch nicht zu ahnenden Mauerfall viele Teilnehmer gegen die Einparteienherrschaft der SED aus, zugleich nahmen aber auch viele SED-Mitglieder teil, die auf eine Reform des Systems setzten. Die Luxemburg-Stiftung will das „lebendige Aufbegehren“ vieler DDR-Bürger mit unterschiedlichen Motiven in einer ganztägigen Veranstaltung mit Rednern von damals würdigen, aber den Tag nicht „einseitig und vollständig vereinnahmen“, sagte am Mittwoch Stiftungsvorstand Florian Weis bei der Programmvorstellung.

Diesen Vorwurf hatten tags zuvor ehemalige DDR-Bürgerrechtler im Tagesspiegel erhoben. Die kulturpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Lukrezia Jochimsen, sagte, die Linke sei „weit davon entfernt, sich zum Sachverwalter der Demonstration zu machen“. Aber da eben sonst keine Partei sich des historischen Datums annehme, „wollen wir die Vielfalt der Kundgebung in unsere Zeit übertragen“. So werden neben Vertretern der SED-Nach-Nachfolger auch Menschen sprechen, die vor 20 Jahren gegen die SED auf die Straße gingen.

Zum Beispiel Konrad Elmer-Herzig, im Herbst 1989 einer der Gründer der später in der SPD aufgegangenen SDP sowie bei der Demo vor 20 Jahren einer der Redner. Er beteiligt sich an der Veranstaltung, da die Stiftung seiner Partei, die Friedrich-Ebert-Stiftung, nichts zu dem Tag geplant habe. Marion Seelig, vor 20 Jahren als Sprecherin der Vereinigten Linken ebenfalls SED-Kritikerin und heute Vizefraktionschefin der Linkspartei im Abgeordnetenhaus, sieht den 4.11.1989 als „Ausgangspunkt für demokratisches Lernen“ auch für viele SED-Mitglieder.

„Rekonstruktion“ des 4. November 1989 am kommenden Mittwoch ab 10.30 Uhr im Kino Babylon (Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, bis Mitternacht), www.rosalux.de.

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