Berlin : Heroin beschlagnahmt: Von der Freundin Gelinkt

Thomas Seibert

Der Anwalt der in der Türkei als mutmaßliche Drogenschmugglerin verhafteten Berlinerin Andrea R. hält seine Mandantin für unschuldig. Nach seinem ersten Eindruck sei die 18-Jährige ein "naives Kind", das von einer Freundin hereingelegt wurde, sagte Verteidiger Ülkü Caner am Donnerstag in der westtürkischen Stadt Izmir. Dort sitzt die Berlinerin in Untersuchungshaft. Caner hat als Vertrauensanwalt des deutschen Generalkonsulats vorläufig die Vertretung der jungen Frau übernommen, geht aber nach Kontakten mit Andreas Eltern davon aus, dass er sie auch im Strafprozess verteidigen wird. Dieser dürfte in drei Wochen beginnen. Nach seiner Einschätzung muss Andrea mit einer Strafe zwischen 5 und 20 Jahren rechnen.

Andrea R. war am Sonntag mit sechs Kilo Heroin auf dem Flughafen von Izmir festgenommen worden. Das Rauschgift war in einem Geheimfach einer ihrer Taschen versteckt. Nach türkischen Medienberichten gab Andrea in ersten Polizeiverhören zu, sie habe sich im Austausch für einen Urlaub in Antalya bereit erklärt, die Drogen mit einem Wert von 350 000 Mark nach Deutschland zu schaffen. Andreas Eltern sollen von dem Aufenthalt ihrer Tochter in der Türkei nichts gewusst haben.

Anwalt Ülkü Caner glaubt nicht daran, dass sich Andrea wissentlich als Kurier betätigen wollte. Der Jurist hatte am Mittwoch zum ersten Mal Gelegenheit, 15 Minuten lang mit ihr zu sprechen. Dabei berichtete Andrea nach den Worten Caners, sie habe nicht gewusst, dass in ihrer Tasche Heroin versteckt war. Nach seinem Eindruck sei Andrea von ihrer Freundin Nadine hereingelegt worden. Nadine wird inzwischen polizeilich gesucht, soll aber schon vor der Festnahme Andreas mit einer weiteren Tasche mit Heroin nach Deutschland zurückgekehrt sein. Gefahndet wird auch nach einem Niederländer, der ebenfalls in den Fall verwickelt gewesen sein soll.

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