Berlin : Herr der Abfahrtszeiten

Ehrfried Hummel weiß, was Bahn-Nutzer erfreut

Klaus Kurpjuweit

Gut, dass Ehrfried Hummel eine Ausbildung als Koch gemacht hat. Das hilft ihm in seinem Beruf. Wie früher in der Küche muss der 52-Jährige auch jetzt tausend Details aufeinander abstimmen. Bloß am Herd steht er nicht mehr, er sitzt am Computer. Und das Menü, das er immer aufs Neue zusammenstellt, genießen täglich Hunderttausende: Hummel macht die Fahrpläne bei der U-Bahn.

Zwei große Fahrplanwechsel gibt es bei der BVG im Jahr – Ende Mai und Mitte Dezember. Doch Hummel und fünf weitere Mitarbeiter müssen etwa 200 Fahrpläne pro Jahr erstellen. Immer wenn gebaut wird oder eine große Veranstaltung stattfindet, werden die Daten angepasst. Und oft ändern sich dann nicht nur die Abfahrtszeiten einer Linie. Damit Fahrgäste beim Umsteigen nicht zu lange auf ihren Anschluss warten müssen, versuchen die Fahrplanmacher, die anderen Linien anzupassen. Das klappt nicht immer. Schließlich hat die U-Bahn 19 Umsteigebahnhöfe mit 170 Umsteigemöglichkeiten.

Tagsüber gibt es kaum Probleme. „Wenn die Züge mindestens alle fünf Minuten fahren, müssen die Leute ohnehin nicht lange warten.“ Doch selbst am Abend und im Nachtverkehr, wenn die Züge seltener starten, kann kein noch so ausgefuchster Fahrplanmacher an jedem Bahnhof kurze Wartezeiten garantieren. Die BVG hat deshalb fünf Bahnhöfe ausgewählt, an denen der Anschluss immer klappen soll. Wuhletal etwa, weil nur dort U- und S-Bahnen am gleichen Bahnsteig ankommen. Hier hält die S-Bahn auch tagsüber nur alle zehn Minuten, und zeitgleich mit den S-Bahnen sollen auch die Züge der U-Bahn-Linie5 ankommen. Eine harte Nuss für Hummel und seine Mitarbeiter. Weitere Knobel-Kandidaten sind Osloer Straße, Mehringdamm, Berliner Straße und Wittenbergplatz.

Früher haben sich die Fahrplanmacher in ihrem Zimmer verkrochen und die Tabellen in Kopf- und Handarbeit erstellt. „Da wurde gerechnet, geschrieben und radiert“, sagt Hummel. Seit 1995 hilft der Computer. „Aber ohne uns bleibt der Rechner doof. Unsere Planung, das Abwägen, kann er nicht ersetzen.“ Dass die BVG-Fachleute das beherrschen, hat sich vor kurzem gezeigt. Mathematiker der TU untersuchten den Fahrplan 2005 – und konnten nicht viel verbessern. Immerhin gelang es, die Wartezeiten für die Fahrgäste um einige Minuten zu verringern. Die BVG konnte danach einen Zug weniger einsetzen. Auch das spart Kosten.

Hummel kennt sein Metier. Seit 1976 arbeitet er bei der BVG – erst als Zugabfertiger, dann als Fahrer, als Verkehrsmeister bei der S-Bahn – als diese im Westteil unter Regie der BVG fuhr – und schließlich im Fahrplanbüro.

Von seiner Arbeit ist seine Frau nicht immer überzeugt. Die BVG-Stellwerksmeisterin verpasst regelmäßig beim Umsteigen an der Möckernbrücke ihren Anschlusszug. Das kann auch ihr Ehrfried nicht ändern.

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