Berlin : Herr Hofmann findet die Anstoßzeiten gut

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Nicht viel los in der Schivelbeiner Straße. Noch nördlich des S-Bahnringes geht sie nach Westen von der Schönhauser Allee ab, die tagsüber vor Geschäftigkeit brummt. Kein günstiger Ort für einen Zeitungsladen? „Oh doch, die Schivelbeiner ist gewissermaßen die ,Einflugschneise‘ in die Wohngebiete hier. Da gehen die Leute durch“, sagt Bernd Hofmann. Mit seiner „Chefin“ (und Frau) Monika betreibt er seit zwölf Jahren in der Hausnummer 10, einen Zeitungsladen – oder besser: ein „Pressefachgeschäft“.

Englische, spanische, französische Zeitungen sind im Angebot und eine reiche Auswahl an Fachzeitschriften. „Die Gegend hat sich stark gewandelt in den letzten Jahren“, erzählt Hofmann. Früher ein Arbeiterkiez, sind viele Leute aus den großen Altbauwohnungen weggezogen in kleinere, billigere Wohnungen in Hohenschönhausen oder Marzahn. Dafür kamen Ausländer; Briten, Franzosen, Lateirikaner. Und Studenten, die WGs gründeten. So verliert auch diese entferntere Ecke des Prenzlauer Bergs mehr und mehr ihre Ost-Berliner Prägung.

Auch wenn der Tagesspiegel-Fernseher im Schaufenster nicht wäre, würde Bernd Hofmann die WM trotzdem leidlich verfolgen können. Er hat sich einen kleinen Fernseher hinter den Verkaufstresen gestellt – schließlich kann er nicht die ganze Zeit vor seinem Laden stehen, als hätte er nichts zu tun, wie sähe das denn aus?

Herr Hofmann ist Fußballfan, seine Frau immerhin „fußballfreundlich“, und Herr Hofmann einer der wenigen, die den Übertragungszeiten etwas Positives abgewinnen können. So kann er nämlich zum ersten Mal seit Jahren ein großes Turnier wieder live miterleben. „Um halb vier klingelt der Wecker, um fünf machen wir auf, da kannst du abends nicht lange fernsehen.“ Um fünf, da ist hier was los? Klar, Frühschichtler kaufen sich ihre Zeitungen. Bernd Hofmann tippt auf ein 2:1 für Uruguay, obwohl er für Frankreich ist. Die Vorübergehenden und die, die kurz stehen bleiben, grinsen eher höhnisch angesichts des 0:0 des Weltmeisters. how

Das Ergebnis sah beim Tagesspiegel-Tippspiel keiner voraus. Gelost wurden Jenny Meißner, 10439 Berlin, Lothar Polzyn, 10439 Berlin und Bernd Hofmann, 13156 Berlin.

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