Berlin : Herr Körting, ist Ihre Strategie aufgegangen?

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Herr Körting, sind Sie froh, dass George Bush die Stadt wieder verlassen hat?

Natürlich bin ich nicht froh. Ich freue mich, dass Berlin eine Stadt ist, die Gäste gerne aufnimmt. Ich freue mich über jeden Gast, insbesondere wenn es sich um den amerikanischen Präsidenten handelt.

Die Sicherheitslage war kein Problem?

Der Besuch war natürlich mit einer besonderen Belastung verbunden, gerade für die Berliner Polizei. Insofern hatten wir eine außergewöhnliche Situation, die wir nur mit vielfältiger Hilfe aus anderen Ländern und dem Bund meistern konnten.

Ist das Szenario der vergangenen Tage das, worauf man sich bei Staatsbesuchen künftig einstellen muss?

Bestimmte Dinge hatten wir noch bei jedem Staatsbesuch dieser Größenordnung. Das Versiegeln von Gullys, das Abtauchen in der Spree und der sehr ausgeprägte Personenschutz – das war bei Scharon, das war bei Chatami, das war bei Putin so. Im Vergleich muss man jedoch auch nüchtern sehen: die gefährdetste Person dürfte das Staatsoberhaupt der Weltmacht Nummer 1 sein. Der Sicherheitsbereich, den wir hier gezogen haben, war also – nach dem 11. September, nach Afghanistan und angesichts des Nah-Ost-Konflikts – sicher singulär.

Und ist Ihr Konzept der weiträumigen Absperrungen und des harten Durchgreifens bei den Anti-Bush-Demonstrationen – vor den letzten noch geplanten Protesten – aufgegangen?

Der erste Tag ist für mich erfreulich friedlich verlaufen. Der zweite Tag hat bestätigt, was wir erwartet haben. Entgegen den Erwartungen vieler Medien wurde im Ausland nicht mobilisiert. Wir waren darauf vorbereitet, es mit dem Berliner Potenzial und einem Teil des Bundespotenzials zu tun zu bekommen. Und so lief es dann auch. Die Demonstration blieb friedlich. Danach haben dann einige Hundert Leute angefangen, Kapuzen überzuziehen, Flaschen zu werfen und Steinedepots im Lustgarten anzulegen. Diese Leute haben wir hier auch am 1. Mai. Diesmal haben andere Demonstrationsteilnehmer jedoch versucht, auf die Gewalttäter einzuwirken. Das ist sehr positiv zu bewerten. Übrigens hat es auch dazu geführt, dass sich ein nicht unerheblicher Teil derer, die wir eigentlich dem gewaltbereiten Spektrum zurechnen, entfernt hat. Es ist nur ein kleiner Kern zurückgeblieben. Ich bin mit dem Verlauf zufrieden. Ich habe nicht erwartet, dass es völlig ohne Krawall abgeht.

Hat die Stadt Berlin sich damit gut präsentiert?

Berlin hat bis zum jetzigen Zeitpunkt ein respektables Bild abgegeben: Wir haben Sicherheit gewährleistet, wir haben keinen Großkrawall zugelassen und wir haben gleichwohl das Demonstrationsrecht gewährleistet.

Das Interview führte Barbara Junge

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