Berlin : Herr Wichmann hat’s geschafft

In den Bundestag kam der CDU-Mann nicht – aber in den Kreistag

Juris Lempfert

Lychen. Seine größte Niederlage konnten Hunderttausend im Kino verfolgen. Seinen größten Erfolg feierte er in einer kleinen Kneipe in Berlin. Henryk Wichmann wurde bundesweit bekannt durch den Film „Herr Wichmann von der CDU“. Ein Kamerateam begleitete den 26-Jährigen im letzten Jahr bei seinem erfolglosen Versuch, im Kreis Uckermark ein Bundestagsmandat zu erringen.

Jetzt hat er es doch noch geschafft. Zwar nicht in den Bundestag, aber Wichmann zieht in den Kreistag des Landkreises Uckermark ein. Bei den Kommunalwahlen am Sonntag erzielte er das zweitbeste Ergebnis aller CDU-Kandidaten. Von seiner Mutter, der Wahlleiterin in Lychen, erfuhr er bereits am Sonntagabend die für ihn positiven Trends. Gefeiert hat er in einer kleinen Berliner Kneipe, mit nur einem Bier – weil er noch fahren musste. Wichmann hat eine neun Monate alte Tochter und eine Verlobte, die ihm „den Rücken freihält“. Er sagt: „Ich bin glücklich über das Ergebnis. Politik gehört zu meinem Leben.“ Geholfen hat ihm, glaubt er, ausgerechnet die Dokumentation über sein Scheitern beim Bundestagswahlkampf: „Der Film hat mich bekannt gemacht, ich brauchte mich danach kaum noch vorzustellen. Und die Leute haben gesehen, wie ich mich damals abgerackert habe. Das haben sie jetzt honoriert.“

Anfang November ist die erste Sitzung des Uckermark-Kreistages. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Aber Wichmann hat sich schon einmal alle in Frage kommenden Tage in seinem Kalender angestrichen. Er hofft, dass es bald losgeht. „Wir haben hier kaum Geld, um etwas zu gestalten“, sagt er, „Aber was wir tun können, muss jetzt schnell passieren.“ Bereits im Bundestagswahlkampf hatte er sich dafür ausgesprochen „das mit dem Umweltschutz nicht zu übertreiben“. Auf kommunaler Ebene gälte das noch stärker. Der Weiterbau der Kreisstraße und eine Schweinemastanlage für den Ort Haßleben sind für ihn die „dringlichsten Projekte“.

Mit seinem Kreistagsmandat hat sich Wichmann von der Bundespolitik aber nicht verabschiedet. Im Moment verfolgt er sie zwar nur in den Nachrichten. Aber seine Parteifreunde nennen ihn bereits „den erfolgreichen Herrn Wichmann von der CDU“. Und eins ist für ihn klar: Zur Bundestagswahl 2006 will er „wieder ran“. Mit „Angela Merkel als Kanzlerkandidatin“, sagt er, weil „die gut ist und auch von hier kommt“. Damit es dann nicht wieder schief geht, hat er auch seine persönliche Wahlkampfstrategie überarbeitet – und bei diesen Kommunalwahlen bereits erfolgreich getestet. „Man darf sich inhaltlich nicht so viel vornehmen“, sagt er. Wer zu viele konkrete Dinge verspreche, dem glaubten die Leute nicht.

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