Berlin : Herrschaftszeiten!

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Des ham sich die bayrischen Sozis fein ausgedacht: Während sich die weiß-blauen Christlich-Sozialen und die anderen Christlich-Demokratischen aufm Parteitag in Frankfurt am Main gegenseitig mal mehr oder weniger in Schach halten, proben die Linken am Montagabend weit weg, in der bayerischen Außenstelle in Berlin, schon a bisserl, wies so wäre, wenn, naja, also wenn die Sozis in Bayern irgendwann einmal die absolute Mehrheit kriegen würden. Und weil der Bocklet Reinhold, der „Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten in der Staatskanzlei und Bevollmächtigter des Freistaats Bayern beim Bund“ das Treiben in seiner Landesvertretung nicht kontrollieren wollte – andere wichtige Verpflichtungen, hieß es – waren die Sozis dann überhaupt nimma zu halten und ham einen hundsgemeinen Grantler und die bissigsten Lästermäuler aus dem Bayernland eingeladen: den Gerhard Polt und die Biermösl Blosn. Letztere sind die drei Gebrüder Well und denen hat der CSU-Bezirkstag von Oberbayern schon vor fünf Jahren den Kulturpreis verweigert. Und der Polt? Ja, was sagt man über ein Individuum, das über die Realpolitik im Freistaat sagt: „The idea of Freibier ist deeply religious.“ Oh mei o mei.

Der Maget Franz, der die SPD-Landtagsfraktion in München führt, hat die Gäste auch alle als die „heimlichen Freunde des Freistaats Bayern“ begrüßt: zum Beispiel seinen Spezl eine Ebene höher, den SPD-Fraktionschef im Bund, Peter Struck, den Müntefering Franz, die langjährige SPD-Chefin in Bayern und notorische Dirndl-Trägerin Renate Schmidt oder den Julian Nida-Rümelin, auch ein Exil-Bayer in Berlin. Ja, ein paar Grüne warn auch da: die Kerstin Müller, der Rezzo Schlauch und der Werner Schulz.

A bisserl peinlich wars dann schon, als der Matthias Machnig, der Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der Sozis, zu spät kam und der Maget frotzelte, er hoffe ja nicht, dass er zu spät beim Wahlkampf kommt. Des war schon a bisserl gemein. Aber alle ham glacht. Und dann war auch die Doris Schröder-Köpf da. Auch eine Bayerin, die dem Gerhard die bayerische Staatsangehörigkeit durch die Ehe vermittelt hat. Die kann ihm nicht mehr abgenommen werden. Ja mei.

Und während im Hintergrund auf dem Brandenburger Tor der Bayern-Löwe saß, neben ihm die Bavaria mit der erhellenden Kerze in der Hand und einem Herzerl zwischen „Bayern“ und „Berlin“, da fabulierte der Polt über Nichtschwimmer, die ersaufen und dass das konsequent ist, über das Stakkato der Epochen, als in der „Renässanz die Hexn flambiert wurden und immer was los war“, über die bayrische Justiz, die Volksverblödung und die Toleranz („Das ist kein deutsches Wort – das ist ein Fremdwort, gell!“). Und dass es schon schade ist, dass der Kommunismus ausgestorben ist, „ähnlich wias Christentum“. Und genauso ketzerisch warn die Biermösl Blosn. Die ham gsagt, dass der Sonnleitner Gerd, der Präsident des Bauernverbandes, dem Stoiber „nachdackelt“ und seinen Stiefelputzer macht. Und dass der Stoiber Edmund entsetzt sein wird, wenn er auf seinem „Marsch nach Berlin“ hier Schwule, Lesben, Nackerde entdeckt. Der würd sich mit Grausn abwenden, nach Tuntenhausen zurückgehen und die Lega Süd mit dem Berlusconi und dem Haider gründen. Vergelt`s Gott. Sabine Beikler

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