Hertha - Galatasaray : Türkische Fans feierten das Spiel

Freudengesänge bei den Galatasaray-Fans, lange Gesichter bei den Hertha-Anhängern: Freud und Leid lagen dicht beieinander nach dem Abpfiff des Uefa-Cup-Spiels im Olympiastadion. Als hätten sie es geahnt, hatten türkische Fans bereits den ganzen Tag überall in der Stadt gefeiert. Einige waren sogar aus Schweden angereist.

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Zwei Seelen von Berlin. Hertha- und Galatasaray-Fans im Stadion. -Foto: ddp

„Wunderbare Stimmung, fast wie bei der Europameisterschaft“, schwärmte ein Anhänger von Galatasaray Istanbul im Olympiastadion. Und klapperte mit den Zähnen: „Nur viel, viel kälter!“ Aber den wahren Hertha- und Galatasaray-Fans konnte auch die Kälte nichts anhaben: Sie feierten am gestrigen Abend ein Fußballfest, das schon lange vor dem Anpfiff des UEFA-Pokalspiels um 20.45 Uhr begann.

Überall auf den Straßen Berlins sah man fröhliche Menschen, Fahnen und angemalte Gesichter, wobei in den U-Bahnen das Rot-Gelb von Galatasaray und in den S-Bahnen das Blau-Weiß von Hertha domininierte. Die Polizei war unmittelbar nach dem Spiel zufrieden. „Wir hatten bisher 31 Festnahmen vor allem wegen Sachbeschädigung“, sagte ein Sprecher: „Das ist nicht mehr als bei jedem normalen Bundesligaspiel. Alles ziemlich friedlich.“

Die Fans des türkischen Fußballclubs sprachen gestern viele Sprachen. Schwedisch zum Beispiel. So waren der 28-jährige Wirtschaftsstudent Berkan und seine sechs Kumpel extra aus Stockholm angereist. Yesim und Harun kamen hingegen aus Basel und Stuttgart. Beide jungen Frauen sind im Galatasaray-Fanclub „ultrAslan“ aktiv. Der Name des in 42 Ländern vertretenen Clubs setzt sich aus „Ultra“ und „Aslan“ – dem türkischen Wort für Löwe – zusammen. Das Wappentier des Vereins war gestern oft zu sehen, auch beim Autokorso, der sich nach dem türkischen Sieg auf dem Ku’damm formierte.

Etwa 70 Berliner Türken verfolgten das Spiel gestern Abend im Klubhaus des Fußballvereins Türkiyemspor in der Kreuzberger Admiralstraße. Beim Elfmeter für ihre Mannschaft in der 69. Spielminute hielt sie nichts mehr auf den Plätzen, nur Nuri Ut, ein älterer Türke, der bereits seit 1965 Galatasaray-Fan ist, blieb ruhig: „Uns reicht doch schon ein Unentschieden“ murmelte er bedächtig.

Da sangen die türkischen Fans im Olympiastadion bereits: „Auf Wiedersehen.“ Wahrscheinlich auch der 19-jährige Azubi Bulca. Der hatte am Nachmittag vor dem Domizil der Gastelf, dem Ritz Carlton am Potsdamer Platz, eine schwarze Fleece-Mütze ergattert. „Die hat Morgan de Sanctis mir geschenkt!“ jubelte er. In einem nahe gelegenen Einkaufszentrum hätte er den Galatasaray-Torwart entdeckt, erzählte er begeistert. Die Mütze wollte Bulca am Abend im Stadion tragen. Als Glücksbringer. Sie hat geholfen. Und gewärmt. AG/flu/J. O.

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