Berlin : Hertha-Präsident ist Cottbus-Fan

Vor drei Jahren fuhr Bernd Schiphorst mit großen Vorurteilen in die Lausitz. Das hatte nicht nur mit Fußball zu tun. Heute schwärmt er von Cottbus und einem einzigartigen Filmfestival

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In Cottbus geht heute das 12. Festival des osteuropäischen Films zu Ende, bei dem mehr als 10 000 Besucher 151 Filme aus 17 Ländern sahen. Nicht nur, weil er Vorsitzender des Festivalkuratoriums ist, outete sich der Medienbeauftragte von BerlinBrandenburg und Hertha BSC-Präsident Bernd Schiphorst im Tagesspiegel als großer Fan des Cottbuser Festivals.

Ihr Verein hat vor zwei Wochen die Lausitz zum Weinen gebracht. Sie haben jetzt bei der Eröffnung des osteuropäischen Filmfestivals in Cottbus eher Lachsalven ausgelöst. Wiedergutmachung?

Nee, das 2:0 war schließlich der erste Sieg von Hertha in Cottbus. Das wurde endlich mal Zeit. Aber dieses Filmfestival in Cottbus ist wirklich eine tolle Sache.

Warum findet es dann nicht in Berlin statt?

Weil es hier schon die Berlinale gibt. Und weil die Einzigartigkeit dieses Festivals im breiten Kulturangebot der Hauptstadt wahrscheinlich untergehen würde. Cottbus liegt näher an der polnischen Grenze - die Stadt ist geradezu prädestiniert für das Anliegen, Brücken nach Osteuropa zu schlagen.

Die Lacher haben Sie geerntet, weil Sie feststellten, dass Cottbus das einzige Filmfest weltweit ist, das ohne eigenes Kino auskommt. Ein Witz?

Das ist wirklich so. Die Vorführungen laufen im Theater, in der Universität, im Veranstaltungszentrum „Glad-House“ oder in einem leer stehenden Ex-Kino. Aber das tut dem Charme des Filmfestivals keinen Abbruch.

Sie schwärmen ja richtig.

Ich gebe zu, dass ich vor drei Jahren mit ganz großen Vorurteilen in die Lausitz gefahren bin. Aber Cottbus hat nicht nur einen gut erhaltenen Stadtkern und mehr eigene Identität als viele vergleichbare Kommunen in Westdeutschland, sondern auch ambitionierte Menschen. Selbst in Berlin ist Osteuropa ja eher ein Thema für Sonntagsreden. In Cottbus findet die Begegnung mit teilweise exotischen Kulturen tatsächlich statt.

Und bleibt folgenlos?

Ganz und gar nicht. Auf dem Fachforum „Connecting Cottbus“ beispielsweise wird diskutiert, wie von osteuropäischen Filmemachern geborene Ideen mit materieller und vertrieblicher Unterstützung des Westens umgesetzt werden können. Es gibt längst enge Beziehungen zur Berlinale, und auf dem Filmfestival von Karlovy Vary (Karlsbad) tritt Berlin gemeinsam mit Cottbus auf. Die Stadt in der Lausitz übernimmt eine Art Drehscheibenfunktion für den Austausch mit Osteuropa.

Wie Energie Cottbus?

Ja. Ede Geyer hat uns das im Fußball mit seinen vielen Ost-Importen ganz gut vorgemacht.

Das Gespräch führte Sandra Dassler

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