Berlin : Hertha-Spieler entlastet

14-Jährige nimmt Vergewaltigungsvorwurf zurück. HoeneßwillVorfallumJugend-Fußballeraufarbeiten

André Görke

Am Abend ging alles sehr schnell. Per Fax ließ die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel mitteilen, dass die vier Jugendspieler von Hertha BSC nicht mehr im Verdacht stehen, eine 14-Jährige vergewaltigt zu haben. „Das Mädchen war psychisch völlig durch den Wind“, sagte Holznagel am Abend dem Tagesspiegel. „Wir haben geahnt, dass was faul ist.“ Die Ermittlungen gegen die 15 bis 17 Jahre alten Fußballer werden eingestellt.

Das Mädchen hatte angegeben, dass sie am späten Samstagabend von den Jugendlichen auf einem Supermarkt-Parkplatz im Dortmunder Stadtteil Aplerbeck vergewaltigt worden sei. In der Nähe befand sich das Mannschaftshotel der B-Junioren von Hertha BSC, die am Sonntag bei Borussia Dortmund im Halbfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft antraten. „Es ist unstrittig, dass es dort zu sexuellen Handlungen in der Gruppe gekommen ist“, sagte Oberstaatsanwältin Holznagel. „Es war vielleicht nicht das, was das Mädchen erwartet hat. Aber es war freiwillig.“

Das Mädchen habe in den Vernehmungen eingeräumt, dass es sich von den Fußballern geschmeichelt gefühlt habe, anschließend aber überfordert gewesen sei. Zu Hause angekommen und „völlig aufgelöst“ (Holznagel) habe sie sich angesichts drängender Fragen der Familie nicht anders zu helfen gewusst, als von einer Vergewaltigung zu erzählen. „Sie ist mit ihren Anschuldigungen in eine Art Strudel geraten und hat den Überblick verloren“, so Holznagel. Die Polizei hatte am frühen Morgen die Spieler aus dem Hotel geholt und sie zu Vernehmungen aufs Revier geführt. Am Fußballspiel konnten sie nicht teilnehmen, Hertha verlor überraschend 0:4, obwohl das Team im Hinspiel 5:1 gewonnen hatte. Die vier Beschuldigten wurden noch am Sonntagmittag freigelassen, jedoch vom Verein erst einmal vom Spielbetrieb freigestellt. Wann sie wieder für Hertha BSC spielen werden, bleibt ungewiss. „Wir sind erst einmal erleichtert“, sagte Herthas Manager Dieter Hoeneß am Mittwochabend. „Aber wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern die Abläufe während der Dienstreise aufarbeiten.“

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft wird nun ein Ermittlungsverfahren gegen die 14-Jährige wegen falscher Verdächtigungen einleiten. „Das müssen wir machen“, sagt Oberstaatsanwältin Holznagel. „Dem Mädchen droht nicht der Aufenthalt im Gefängnis, aber so eine Falschaussage bleibt eine Straftat.“ Ein Sozialarbeiter soll sich jetzt um das Mädchen kümmern.

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