Berlin : Hertha will in die Betreibergesellschaft einsteigen und in großem Stil investieren

Hans Toeppen

In dieser oder der nächsten Woche werden die Würfel für das Olympiastadion fallen. Am Montag hat Bausenator Jürgen Klemann seine Gespräche mit den fünf Bewerberkonsortien begonnen, die die marode Arena sanieren und vermarkten wollen. Nächste Woche könnte schon eine Empfehlung an den Senat gehen. Der Hauptmieter möchte auf jeden Fall dabei sein: Hertha BSC will unbedingt in die künftige Betreibergesellschaft für das Stadion einsteigen. "Hertha hat Interesse, sich da sehr stark zu engagieren - auch finanziell", sagte gegenüber dem Tagesspiegel gestern Klaus Glathe. Er ist Sprecher von Vereinspräsident Walter Müller in der Berliner Mercedes-Benz-Vertretung.

Zahlen über die finanzielle Beteiligung des Vereins wollte Glathe nicht nennen. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass der Fußballklub zu allen Bewerberkonsortien Kontakt hatte und ihnen seine Wünsche vorgetragen hat. Der Verein habe großes Interesse daran, in der Betreibergesellschaft sogar "eine tragende Rolle zu spielen", lässt Vereinspräsident Müller, Mercedes-Chef in Berlin, sich zitieren. Diesen Wunsch habe man auch dem Senat mitgeteilt. Dann liegt allerdings auf der Hand, dass der Verein sich nicht nur mit Kleingeld beteiligen könnte.

Er hat jedoch keinen Einfluss auf das Bewerberverfahren, sondern müsste sich nach der Auswahlentscheidung des Senats mit dem Gewinner einigen. Eine Beteiligung des Fußballvereins sei jedenfalls durch das Bewerberverfahren nicht etwa vorgegeben, betonte gestern die Sprecherin des Bausenators, Petra Reetz. Ihr Chef Klemann vermeidet jeden Eindruck, als hätte der Profi-Verein irgendwelchen Einfluss auf das Auswahlverfahren. Deshalb hat ein Vorstoß der Augsburger Walter Bau AG offenbar große Verärgerung beim Senat ausgelöst. Das Augsburger Unternehmen hatte sich damit zitieren lassen, dass Überlegungen von Hertha in sein Konzept eingeflossen seien und dass man erwarte, "diese Zusammenarbeit" später vertraglich zu fixieren.

Der damit erweckte Eindruck, einer der Bewerber sei sich praktisch schon mit Hertha einig und habe infolgedessen einen Startvorteil, hat nicht nur den Senat, sondern alle Bewerber irritiert. Auch Hertha legt nunmehr Wert darauf, dass der Verein mit allen Bewerbern gesprochen und ihnen seine Vorstellungen über Vermarktbarkeit und Nutzbarkeit des Geländes vorgetragen habe. Entscheidungen für einen Investor gebe es aber nicht. Auch die Walter Bau AG will jetzt nur noch wahrhaben, dass sie mit dem Verein Kontakt hatte und seine Vorstellungen "mit aufgenommen" habe. Der Bewerber Hochtief, durch den Ärger mit dem Flughafen Schönefeld vorsichtig geworden, legte gestern sogar Wert darauf, dass sie überhaupt keine direkten Gespräche mit Hertha führten.

Alle Bewerber stehen unter dem Druck, dass sie dem Senat einen Investor und einen Betreiber liefern müssen und dass sie die Interessen des Hauptmieters, nämlich Hertha, nicht vernachlässigen können. Dessen Vermarktungskonzept war vom Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner zuletzt mit einer Aufstockung auf 120 Logen und sogenannte Sky-Boxen unter dem Dach berücksichtig worden. Unklar ist nur noch, wie die Finanzierungslücke von ein paar hundert Millionen Mark geschlossen werden soll.

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