Berlin : Herzenssache

Karl-Heinz Pranat ist Organspende-Streetworker Heute bekommt sein Anliegen viel Aufmerksamkeit

Anne Haeming

Herzen, Nieren, Leber, Milz – das ist sein Metier. Karl-Heinz Pranat ist im Namen der Organspende unterwegs, seit zehn Jahren. Pranat nennt sich Streetworker, er hält Vorträge im Ethikunterricht, verteilt Poster oder baut seinen Stand bei Veranstaltungen auf. „Aber Werbung mache ich keine“, sagt Pranat. „70 Prozent der Deutschen befürworten Organspenden, da muss ich nicht mehr werben.“ Der 49-Jährige will Hemmschwellen abbauen – denn nur zehn Prozent der Deutschen tragen auch einen Organspendeausweis bei sich.

Einmal jährlich bekommt Pranats Anliegen besondere Aufmerksamkeit, immer am ersten Samstag im Juni, am Tag der Organspende. Vor rund zehn Jahren ist er mit der Idee, die potenziellen Spender direkt anzusprechen, einfach ins Transplantationszentrum im Steglitzer Benjamin-Franklin-Krankenhaus marschiert. Den Ärzten hat Pranats Vorschlag damals gefallen, seitdem gibt es den Organspende-Streetworker.

In dem Büro im ersten Stock des Krankenhauses ist er nicht oft, den Schlüssel muss er sich von den Kollegen holen, die ein Stockwerk höher die transplantierten Patienten betreuen. „Ich bin eigentlich immer unterwegs“, sagt der Mann mit dem Dreitagebart und dem wirren Lockenkopf.

Derzeit warten rund 11 500 Patienten auf ein Spenderorgan, so die Deutsche Stiftung Organtransplantation DSO, davon allein knapp 2000 in Berlin. 3900 Patienten erhielten im Jahr 2005 in Deutschland ein Spenderorgan. Seinen eigenen Organspendeausweis hat Pranat längst laminiert. Er ist seit 28 Jahren selbst Dialysepatient. „Ich verschweige meine Situation aber meist, Betroffenen gegenüber sind Zuhörer weniger kritisch.“

Pranat spricht bedächtig, seine Gesten sind sparsam, auch wenn er erzählt, was ihn „fuchsig“ macht: das Desinteresse der großen Verbände zum Beispiel. Bis 2000 gab es mehrere Streetworker bundesweit, dann wurden die Zuschüsse gestrichen. Seither arbeitet Pranat für das Deutsche Herzzentrum.

Er sei ein Einzelkämpfer, sagt auch Ute Opper, die Leiterin einer Berliner Selbsthilfegruppe. „Gefühlsduselei gibt es bei ihm nicht.“ Das findet sie gut. Vielleicht ist es diese Nüchternheit, mit der er bei einer potenziellen Spendergruppe besonders gut ankommt: In Motorrad-Clubs ist er mit seinen Vorträgen Dauergast.

Heute ist Tag der Organspende. Info-Telefon unter 0800 / 904 04 00.

Im Internet: www.organspende-info.de, www.streetwork-organspende-online.de

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