Berlin : Herzstillstand: Laien retten Leben Chefarzt schulte Berliner an medizinischem Gerät

Ingo Bach

Es gibt keine Vorwarnung. Urplötzlich setzt der Herzschlag aus, der Herzmuskel verkrampft sich, er flimmert nur statt zu pumpen. Binnen Sekunden bricht der Betroffene zusammen und ist ohne Hilfe spätestens nach zehn Minuten tot. Wie der frühere Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt, der am Donnerstag in der Charité im Schlaf an einem solchen plötzlichen Herztod gestorben ist (siehe unten). Rexrodt befand sich zu einer Nachbehandlung nach einer Operation im Krankenhaus.

Rund 3500 Menschen sterben jährlich in Berlin den plötzlichen Herztod. Könnte man diese Zahl senken? Dietrich Andresen, Chefarzt der Kardiologien an den Vivantes-Kliniken in Friedrichshain und am Urban ist davon überzeugt. Öffentliche Defibrillatoren, so meint er, können Leben retten. Um dies zu beweisen, hat Andresen 2002 eine Studie zum plötzlichen Herztod in Berlin initiiert. Erste Ergebnisse wird der Arzt heute auf einem Rettungsdienstsymposium vorstellen.

1100 medizinische Laien – Verkäuferinnen, Maschinenbauschlosser oder Hotelangestellte – wurden für die Studie in der Handhabung eines der 40 neuen öffentlichen Defibrillatoren geschult, die man zum Beispiel in Hotels und Opernhäusern eingebaut hat. Mit dem Gerät werden Stromstöße zum Herzen geleitet und so der Herzschlag wieder normalisiert. Die Studie hat nun gezeigt, dass die Dauer der Ausbildung entscheidend ist. „Nach einer zweistündigen Einweisung machten 91 von hundert Geschulten alles richtig, nach sieben Stunden waren es sechs mehr“, sagt Andresen. Und unter diesen sechs Personen könnte die entscheidende sein, die einem Opfer sofort hilft. Drei Menschen wurden seit 2002 in Berlin von diesen Geschulten wiederbelebt, die sonst wohl gestorben wären oder irreparable Schäden davongetragen hätten.

„Jede Minute, die nach dem Anfall vergeht, senkt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Wiederbelebung um zehn Prozent“, sagt Andresen.

Das Programm des 6. Berliner Rettungsdienstsymposiums im Internet:

www.berliner-feuerwehr.de

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