Berlin : Heute ein Model

Rund um die Fashion Week wurden nicht nur Frauen und Männer auf den Laufstegen kritisch beäugt. Bei glanzvollen Partys wie dem 25. Geburtstag von „Elle“ oder der „Vogue“-Nacht standen die Outfits der Gäste im Mittelpunkt.

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Was zieht man zur begehrtesten Party der Fashion Week eigentlich als Gast an? Designer Wolfgang Joop kann sich Selbstbewusstsein leisten. „Zwanzig Jahre altes Prada“, sagte er bei der Vogue Night im Restaurant Borchardt und öffnete stolz das braun gemusterte Jackett, das von fern einem alten Louis-Vuitton-Koffer ähnelt. Das Hemd dazu mit den verschieden großen Kreisen drauf ist erst 18 Jahre alt, von Marni. Brandneu waren nur die sichtlich bequemen Sandalen, die hatte er nachmittags im Globetrotterladen gekauft. Es ist nicht unbedingt wichtig, etwas Brandheißes zu tragen bei einer Modeparty. Wichtiger als alles andere ist es, authentisch zu wirken.

Gastgeberin Christiane Arp empfing in schwarzer Hose, weißem Blazer, schwarzem Top. Cool und schick wirkte das, getreu dem Motto guter Gastgeberinnen: Man soll die eigenen Gäste nicht ausstechen. Opernsängerin Nadja Michael trug einen glitzernden Smoking von Michalsky, das „Kleine Schwarze“ in verschiedenen Formen und Schnitten war omnipräsent. Obwohl gerade junge Designerinnen ihre Models gern in flachen Schuhen über den Laufsteg schicken, waren Sandalen mit High Heels, gerne in der Römer-Variante, bei Weitem das populärste Schuhwerk. Goldene High Heels trug etwa Schmuckdesignerin Saskia Diez zum glänzenden kurzen pinkfarbenen Kleid mit gleichfarbiger mehrfach geschlungener Kette. Klaus Wowereit interpretierte den „Dresscode Cocktail“ mutig als krawattenfrei und trug sein weißes Hemd offen zum blauen Anzug.

Barocker ging es beim Geburtstagsdinner zum 25. Geburtstag der Modezeitschrift „Elle“ in der französischen Botschaft zu, wo am Vorabend der Fashion Week eine Tafel für 100 Gäste gedeckt war. Lautet die Empfehlung „Black Tie“, dann weiß eine Französin, welche Farbe sie tragen soll: ebenfalls Schwarz. Es darf auch gern kurz sein, wie das kunstvoll zu einer Art Ballon verknotete Kleid einer Dame aus Südfrankreich, die diese Regel erwähnte. Nur ihre Schuhsohle war golden. In Deutschland bedeutet dieser Dresscode auf der weiblichen Seite normalerweise „langes Abendkleid“. Zwar weiß man in München, dass es in Berlin viel entspannter läuft als daheim, aber es wollte auch niemand „underdressed“ sein.

Genau richtig hatte sich „Elle“-Chefin Sabine Nedelchev angezogen mit einem berlinisch schlichten schwarzen T-Oberteil zum bajuwarisch glänzenden, auffälligen langen lachsfarbenen Rock mit schwarzen Rosen. Saskia Diez wurde bewundert für ihre lange dunkelgoldene Robe, zu der sie auffällig lange Ohrringe trug. Schlicht im eleganten schwarzen Smoking erschien eine süddeutsche Managerin. Den besitze sie schon seit vielen Jahren, bekannte auch sie sich lachend zum Vintage-Look aus dem eigenen Kleiderschrank. Praktisch mag es die finnische Designerin Satu Maaranen. Sie trug eine weite schwarze Hose und dazu ein rosa-mintfarbenes glänzendes Oberteil mit Gummizügen an den Ärmeln. Ätherisch schön im langen Weißen passte Sibel Kekilli wie gemalt aufs rote Sofa. Angesichts so vieler schöner Kleider beschwor Frankreichs Botschafter Maurice Gourdault-Montagne die gemeinsamen Werte. Den traditionellen Luxus der Franzosen lieben längst auch die Deutschen.

Ein Kontrastprogramm boten am Freitag die Designerin Nicola Eibich und ihr neuer Geschäftspartner Ole von Beust auf dem Dach des Hotel de Rome. Dresscode klar „Jeans“. Sie selbst kam im kurzen Denim-Kleid mit Glitzersteinchen. Der ehemalige Hamburger Bürgermeister trug zum olivfarbenen kurzärmeligen Hemd ein Exemplar ihres Labels „Blessed & Cursed“, wobei der Schriftzug auf der Innenseite der Oberschenkel etwas schwer zu entziffern ist. Die Lady im Plisseekleid war hier overdressed.

Das galt auch für Jorge Gonzalez und manche Ladys, die in Endlos-High-Heels zum Gala-Brunch im Ellington erschienen. Dafür war es noch zu früh am Tage. Designerin Anna von Griesheim kam in flachen Glitzersandalen. Wer unsicher ist, zieht bei Modepartys am besten ein Teil der gastgebenden Marke an. Bei Laurel etwa trugen viele Prominente Laurel. Auch ganz einfach. Aber leider neu.

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