Berlin : Hickhack

Andreas Conrad

Krähen gelten als gesellig. In Riesenschwärmen verdunkeln sie den Himmel, und niemand wage es, unter ihren Schlafbäumen zu parken. Am nächsten Morgen weiß er, dass sie nicht nur gemeinsam schlafen. Diese Harmonie hat es sogar zum Sprichwort gebracht: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Aber, stimmt das so? Zum Beispiel beim Berliner Taxifahrer. Ein Menschenschlag, der, von der Rückbank aus betrachtet, in seiner fast sprichwörtlichen Ruppigkeit ebenfalls geradezu homogen erscheint. Nicht, dass alle Vertreter dieses Gewerbes so wären, aber die vor einiger Zeit mit Blick auf die WM 2006 gestartete Charmeoffensive kommt ja nicht von ungefähr. Man sollte meinen, besonders Fahrgäste hätten am Stil der rauen Gesellen etwas auszusetzen. Von wegen! Deren liebste Nebenbeschäftigung, so die Erkenntnis des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, besteht im Anschwärzen von Kollegen. Mehr als die Hälfte aller Beschwerden über Taxifahrer stamme von anderen Fahrern, hat das Amt herausgefunden. Man nennt das wohl auch Hackordnung.

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