Berlin : Hier die Aura, da die Buden

Mauermuseum will Checkpoint-Jahrmarkt richterlich verjagen

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Die billigen Buden und Baracken auf der östlichen Grenzseite des ehemaligen Checkpoint Charlie werden wacker aufgebaut. 18 stehen schon, dazu gibt es, neben der Metallplastik eines Eisengießers, die Verheißung, dass hier „Kunstobjekte als Geschenkartikel aus Metall für Einrichtung, Dekoration und Garten“ feil geboten werden. Man kann mit guten alten DMark-Scheinen zahlen, ab 7. März bis 31. Dezember. Die „Drehorgelgasse“ macht Furore, ehe sie tönt . Während Spaziergänger und Touristen, denen man zumeist die Bedeutung des Ortes erst einmal erklären muss, der Vermarktung des Areals relativ gelassen gegenüberstehen, gab es auch gestern wieder einen Protestschrei im Mauermuseum: Auf der 131. Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft 13. August fragte Alexandra Hildebrandt, ob wir es denn noch so weit bringen, „dass die Erinnerungen an die dramatischen Ereignisse am Checkpoint von 1961 bis 1989 verblassen und nur noch dieser Budenzauber bleibt?“ Das Bezirksamt Mitte hatte, wie gemeldet, den Aufbau der Verkaufsstände auf einem privaten Gelände genehmigt, dagegen will das Mauermuseum nun gerichtlich vorgehen. Am Montag soll beim Verwaltungsgericht einstweiliger Rechtsschutz beantragt werden, da das Bezirksamt den Widerspruch des Vereins gegen das Budenstädtchen ablehnt. Da wird mit einem „schutzwürdigen Interesse Hildebrandts am Erhalt der besonderen Aura dieses geschichtsträchtigen Ortes“ argumentiert und erklärt, dass der Markt den Museumsbetrieb „unverträglich stört“.

Draußen, an Ort und Stelle, maulen die Andenkenhändler mit Mauerstückchen und Stasi-Mützen, weil sie verschwinden müssen, da sie keine 1700 Euro Monatsmiete für die Bude haben. Passanten finden das alles „wie in Klein-Kleckersdorf“ oder hoffen: „Hauptsache, man kriegt hier ne Wurst“. Ein Berliner trifft den Kern: „Immer noch besser als ein vergammelter Bretterzaun.“ Tatsächlich begann die Beschädigung des Ortes vor zehn Jahren, als der berühmte weiße Strich beseitigt wurde. Jubelnd begrüßte der Senat Anfang der Neunziger die hochfliegenden Pläne amerikanischer Investoren, die sich plötzlich zurückzogen und nun das Gelände verramschen. Hat jemand im Senat eine Idee zu diesem Areal? Frau Hildebrandt möchte „paar Bäume, ein Denkmal und eine Kopie der Freiheitsstatue“, und der Kellner im Café „Adler“ nebenan findet das alles „nur noch peinlich“. Lo.

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