Berlin : Hier geht’s um Sex!

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Von Stephan Wiehler

Klar, bei dieser Überschrift steigen Sie ein! Da braucht sich kein Autor große Mühe zu geben, Sie bei der Stange zu halten. Also, kommen wir zur Sache, damit die Glosse hält, was sie verspricht. Viel zu lange haben frigide Puritaner die schönste Sache der Welt in die Schmuddelecke gedrängt und nackte Tatsachen mit dem Mantel des Schweigens verhüllt.

Doch zum Glück gibt es ja die FDP. Einen liberalen Bundesgenossen haben sexuelle Abenteurer jetzt in Charlottenburg-Wilmersdorf gefunden. Wirtschaftsstadtrat Bernhard Srodzki will lustbare Orte in seinem Bezirk nicht länger verstecken. Den Betreibern einschlägiger Etablissements hat der Freidemokrat deshalb gelbe Schilder verordnet, deren Aufschrift ganz offen Auskunft darüber gibt, was hinter den Türen getrieben wird. „Anbahnungsstätte für sexuelle Handlungen“, heißt es am Swingerclub „Zwielicht“ ebenso wie vor dem „Café Pssst“.

Jetzt weiß hier jeder, was Sache ist und vagbundierende Erotomanen müssen nicht mehr umherirren, ehe sie ihre sexuellen Wünsche befriedigen können – dank der gelben Hinweisschilder und dank der FDP, die als Spaßpartei auch in Sachen Sex den Lustfaktor in die Politik bringt. Nur einer zeigt sich am Ende unbefriedigt. Stadtrat Bernhard Srodzki – offenbar ein weniger Freier Demokrat als angenommen – ist die Sache inzwischen peinlich. Denn eigentlich hatte er mit den Schildern nicht werben, sondern warnen wollen vor dem unsittlichen Treiben in seinem Bezirk. Das ging wohl in die Hose.

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