Berlin : "Hier spiegelt sich meine Seele wider"

kf

Die Künstlerin möchte anonym bleiben, spricht zur Eröffnung ihrer Ausstellung dann aber doch ein paar Worte. "In den Bildern spiegelt sich meine Seele wider", sagt die Frau, die sich nur Erika nennt. Es scheint eine dunkle Seele zu sein: "Schwarzer Tag" und "Ich will nichts mehr essen" heißen die Werke. Aber gleichzeitig erfülle sie inzwischen auch vieles mit Zufriedenheit, sagt Erika. "Ich muss mich nicht mehr verletzen." Nicht mehr selbst schneiden, beißen, verbrennen.

Erika wurde erst als Mädchen, später als junge Frau mehrfach misshandelt und vergewaltigt. "Der Weg. Die Geschichte einer misshandelten Frau", heißt die Wanderausstellung, die am Montag im Foyer des Landeskriminalamtes eröffnet wurde. "Sexuelle Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche ist nach wie vor ein ungelöstes gesellschaftliches Problem", sagte Hildegard Nickel, Staatssekretärin für Arbeit und Frauen. Nach der letzten offiziellen Statistik wurden in Berlin 800 Frauen und 792 Mädchen im Jahr Opfer sexueller Gewalt. Doch die Dunkelziffer, da sind sich die Experten einig, liegt weitaus höher. Experten schätzen, dass jedes fünfte Mädchen und jeder 13. Junge mindestens einmal vor dem 13. Lebensjahr missbraucht werden. "Schwere traumatische Folgen sind die Regel", sagt Nickel.

Die Übergriffe gelten noch immer als gesellschaftliches Tabuthema. Die Geschäftsführerin von "Wildwasser. Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen" erhofft sich einiges von der Ausstellung: "Vielleicht kann sie Betroffene ermutigen, das Schweigen zu brechen."

Wie es Erika mit ihren Bildern getan hat. Sie hat es in einem langjährigen Prozess geschafft, begleitet von Therapien, sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen: mit dem Missbrauch des Onkels, des Stiefvaters, der Freier ihrer Mutter. "Inzwischen gibt es auch schönere, hellere Momente in meinem Leben", sagt die Malerin.

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