Berlin : Hier stimmt die Chemie, hier spielt die Musik

BASF und Musiksender Viva kommen. Der Pharmakonzern will 500 Stellen schaffen. Wirtschaftsverbände und IHK freuen sich

Sabine Beikler,Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Chemiekonzern BASF und der Musiksender Viva wollen sich in Berlin ansiedeln. Die Entscheidung des weltweit aktiven Großunternehmens BASF, in der Hauptstadt 500 Arbeitsplätze zu schaffen, wurde gestern in Koalitions- und Gewerkschaftskreisen bestätigt. Ob sich das Engagement auf Forschung und Entwicklung oder auf Marketing und Finanzwesen bezieht, blieb offen. Nach Informationen des Tagesspiegel hat der Konzern Standorte in ganz Europa geprüft, um sich dann – wie verlautet – „bewusst für Deutschland und Berlin zu entscheiden“.

Diese Entscheidung wird bis zur offiziellen Verkündung heute wie eine geheime Kommandosache behandelt. Gestern Nachmittag trafen sich die Betriebsräte einzelner BASF-Tochterunternehmen mit Gewerkschaftern der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in Hannover. Diese Sitzung sei „sehr kurzfristig“ anberaumt worden, hieß es aus BASF-Betriebsratskreisen. Man sei im Vorfeld davon ausgegangen, dass es sich um „frohe Botschaften“ handeln werde.

Die Unternehmens- und Gewerkschaftsspitzen haben für die Pressekonferenz heute das unverfängliche Motto „Initiative für Deutschland“ gewählt. Eggert Voscherau (stellvertretender BASF-Vorsitzender), Hans Carsten Hansen (BASF-Personalchef), Robert Oswald (Vorsitzender des Konzernbetriebsrates), Hubertus Schmoldt (IG BCE-Vorsitzender) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wollen in diesem Rahmen die Neuansiedlung verkünden.

BASF hat weltweit 87 000 Mitarbeiter, in Deutschland sind es 48 000. Allein 39 000 arbeiten in Ludwigshafen. Der zweitgrößte deutsche Standort mit 2000 Mitarbeitern ist das BASF-Werk im brandenburgischen Schwarzheide. In Berlin ist der Konzern seit 1998 im Biotechnologiepark Charlottenburg tätig. Die auf Stoffwechselanalytik spezialisierte Firma Metanomics mit 90 Mitarbeitern führt nach eigenen Angaben die weltweit größte Gen-Funktions-Datenbank.

Die Viva Media AG und MTV kündigten gestern an, das Musikfernsehgeschäft in Deutschland künftig in Berlin zu konzentrieren. 45 Mitarbeiter werden bis zum Sommer an die Spree umziehen. Das Entertainmentgeschäft und der Sendebetrieb von Viva bleiben in Köln. „In Berlin spielt die Musik“, kommentierte Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS): „Berlins Attraktivität für die Unternehmen der Musik-, Medien- und Unterhaltungsbranche ist ungebrochen.“

Auch Christian Amsinck von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) freute sich über die Ansiedlungserfolge. „Good news sind das Wichtigste, was Berlin braucht.“ Damit die Stadt im internationalen Wettbewerb mithalten könne, forderte Amsinck „Netzwerke und Initiativen von Wirtschaft und Politik“. Eric Schweitzer, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), lobte die Wirtschaftspolitik des Senats, der begonnen habe, die Wirtschaftsförderung zu bündeln und den „Dschungel von Gesetzen und Verordnungen“ zu lichten. Wenn die BASF plane, 500 neue Jobs in Berlin zu schaffen, „freut mich das“. Wenn die Arbeitsplätze in den Bereichen Forschung und Entwicklung entstünden, seien das Stellen für hoch qualifizierte Fachleute. „Solche Arbeitsplätze braucht Berlin.“

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