Hier summt’s wohl : Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann zu Gast bei Imkern

Justizsenator Heilmann ist auch zuständig für den Verbraucherschutz - und so schaut er nach, wo sein Fördergeld bleibt: bei Kindern und Bienen.

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Hübscher Helm. Der Senator brauchte Schutz vorm Gesicht. Foto: Thilo Rückeis
Hübscher Helm. Der Senator brauchte Schutz vorm Gesicht.Foto: Thilo Rückeis

Am Anfang steht Thomas Heilmann zwischen den Imkern und Kindern wie ein ausländischer Staatsgast ohne Dolmetscher. Aber wahrscheinlich geht es dem Senator wie den Bienen, die er hier am südlichen Stadtrand besucht: Er muss erst warm werden, um seine Aktivität zu entfalten. Gemeinsam mit dem lokalen Abgeordneten Roman Simon ist Heilmann, berühmt als Quereinsteiger und -denker der Berliner CDU, zum Lehrbienenstand in die Nabu-Naturschutzstation nach Marienfelde gekommen, um zu sehen, wo das Geld aus seiner Verwaltung bleibt. Wobei es nur um 31 500 Euro pro Jahr geht, die Berliner Kofinanzierung eines EU-Förderprojektes, also eine kleine Summe, mit der die zumeist ehrenamtlich Aktiven hier aber Großes leisten. In den Sommerferien beispielsweise die „Grüne Schule“, in der Kinder in einer Woche eben auch Honig herstellen.

Senator mit Imkerhaube

Heilmann ist quasi als Landwirtschaftssenator hier. Damit hat er als Großstadtminister naturgemäß weniger zu tun als mit seinen Hauptressorts Justiz und Verbraucherschutz. Aber solange Ferien sind und der Politikbetrieb im Standby verharrt, bleibt auch mal Zeit für Schönes. Idyllisch ist es hier, wo die Schuhe über Rindenmulch und Rasen schweben und der Imker Erwin Biller die Kräuterpfeife raucht, unter deren beruhigenden Dämpfen die Bienen sich sogar mit bloßer Hand von den Waben streifen lassen. Sie wimmeln um ihre Königin, die im Hochsommer täglich 2000 Eier legt. Heilmann, der jetzt eine fotogene Imkerhaube trägt, beugt sich mutig zum Bienenvolk, vor dem auch die Kinder am zweiten Tag ihrer Naturschule schon keine Angst mehr haben. Fasziniert beobachten alle, wie eine Wespe eindringt in das kleine Reich, in dem der Honig fließt. Sofort wird sie von zwei Wächterbienen vertrieben. Biller sagt, das Volk sei ein besonders sanftes. Durch Selektion und vorsichtige Behandlung kann man Bienen so züchten, dass sie sich auch mit Stadtkindern arrangieren. Und Heilmann als Kreischef der Südwest-CDU dürfte ohnehin aggressivere Typen gewohnt sein.

Mehr Nutella als Honig

Duftende, federleichte Waben werden herumgereicht. Heilmann ist jetzt sichtbar interessiert, aber kein Vordrängler. Er kenne sich dank eines Referats über Honig aus Schulzeiten mit der Imkerei halbwegs aus, auch wenn seine vier Kinder mehr Nutella als Honig äßen.

Während er zum Gipfel des Trümmerbergs im Volkspark Marienfelde wandert, erzählt er von den Landwirtschaftsministerkonferenzen, in denen er staunend erlebt, wie Lobbyismus und Politik verschmelzen. Dazu passend schweift sein Blick über die endlosen Maisfelder jenseits der Landesgrenze. Ein ökologisches Desaster, Feindesland für Bienen. Die haben’s in Berlin mit seinen verwilderten Grünanlagen besser. Stefan Jacobs

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