Berlin : Hildegard Knef: Außen vor und mitten drin

kf

Sie mussten draußen bleiben - und konnten trotzdem dabei sein. Denn für alle, die bei der Trauerfeier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche keinen Sitzplatz fanden, hatte die Gemeinde vorgesorgt: "Ihr unbändiger Lebenswille war ungebrochen", schallte es über Lautsprecher auf den Breitscheidplatz. Die Trauergemeinde vor der Kirche lauschte den Worten mit gesenkten Köpfen und gefalteten Händen. Ein Verehrer hatte sich zum Abschied von Hildegard Knef ein buntes Schild um den Hals gehängt: "Danke Jahrhundertfrau - Botschafterin Berlins", stand darauf. Kalt fegte der Wind über den Platz, wo sich mehrere hundert Menschen versammelt hatten. Manche hatten Einkaufsbummel oder Stadtbesichtigung eher zufällig vor die Kirche getrieben. Andere kamen in schwarzen Anzügen, Mänteln und mit roten Rosensträußen. "Was sie auch angepackt hat, sie war großartig: als Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin", sagte einer in der Schlange vor den Kondolenzbüchern. "Und sie hat nie aufgegeben", eine andere. Was in ihr steckt, zeigte die Menge, als der Störer, der in der Kirche Klaus Wowereit angepöbelt hatte, von Polizisten und Leibwächtern ins Freie eskortiert wurde. "Pfui!", "Buuh!", "Hau ab!", rief die Gemeinde den Störer nieder - und lauschte dann wieder still den Worten des Regierenden Bürgermeisters. "Berlin nimmt Abschied von einer großartigen Frau, die über viele Jahre die Stimme Berlins war", sagte Wowereit. Als nach der Trauerfeier der Sarg aus der Kirche getragen wurde, brandete am Kurfürstendamm zum letzten Mal ein Applaus für Hildegard Knef auf.

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