Berlin : Hildegard Knef: Trauer um die Knef

Heidemarie Mazuhn

"Ich bin regelrecht geschockt", sagt der Visagist René Koch, "erst vor vier Tagen habe ich mit Hilde telefoniert." Noch am 17. Januar sei er bei ihr zum Kaffee gewesen. Da hätte sie sich gut gefühlt und sei auch ein wenig gelaufen. "Und nun das." Ein wenig Buntheit habe er mit seiner Arbeit auch in ihr Leben gebracht, bis zuletzt habe sie viel Wert auf ihr Äußeres gelegt. "Hilde hat auch daheim nicht wie eine Oma rumgesessen, sondern sich immer zurechtgemacht", erinnert sich Koch an die Freundin. "Deine zweibeinige Hilde" hat sie ihre Briefe an ihn unterschrieben - mit Grüßen an die vierbeinige "Hilde" - so heißt die Hündin, die Koch vor 11 Jahren aus dem Tierheim Lankwitz holte und mit der Knef auf "Hilde" taufte.

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"Mir tut es nicht leid, Hilde ist erlöst", sagte gestern Günter Pfitzmann, "leid tut mir jetzt vor allem ihr Mann, Paul von Schell, ein wundebarer Mensch." Zu ihrem letzten Geburtstag hatte "Pfitze" noch mit der Freundin telefoniert, im Februar oder März wollten sie mal wieder "schön essen gehen. Da werde ja nun nichts mehr draus, "ich bin wohl der letzte Überlebende der alten Berliner Künstlerinstitutionen". Ans Aufhören hatte sie offenbar noch lange nicht gedacht. "Sie hatte noch Film- und Musikpläne", sagte ihr Manager Thomas Jost der Nachrichtenagentur ddp. Knefs Biograf Axel Andree zeigte sich vom Tod der Künstlerin völlig überrascht: "Noch vor drei Tagen hatten wir am Telefon herumgealbert."

"Schade, eine tolle Frau, mit viel Herz und Humor und sehr Berlinisch" sagte gestern Udo Walz über seine berühmte Kundin, die er seit 1965 kennt und die ihn "mein Friseurchen" nannte. Ein Weltstar, der menschlich geblieben ist, sei die Knef gewesen. Mit ihren geschriebenen und gesungenen Texten allgemein menschlicher Inhalte war sie für West und Ost gleichermaßen eine Kulturfigur, sagte Friedrichstadtpalast-Intendant Alexander Iljinskij über die Künstlerin, die kurz nach der Wende auf der Bühne mehrere Konzerte gab. Persönlich habe er die Knef bei seinem ersten West-Besuch im Januar 1990 erstmals erlebt - Freunde schenkten ihm eine Karte für das Wiener "Theater an der Josefstadt", wo die Knef aus ihrem "Geschenkten Gaul" vorlas.

"Eine große Frau ist gestorben", sagte der Sänger Klaus Hoffmann, der mit Hilde Knef privat bekannt war, "ich hatte so gehofft, es gehe ihr gut".

In einem Ehrengrab des Landes Berlin soll die große Künstlerin ihre letzte Ruhe finden. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit will heute dem "Weltstar in allen Lebenslagen", der wie keine andere Künstlerpersönlichkeit über Jahrzehnte hinweg beim Publikum das Bild der Stadt geprägt habe, als Erster seine Ehrerbietung erweisen und sich in das Kondolenzbuch eintragen, das ab 12 Uhr 30 im Roten Rathaus ausgelegt ist. Bis zwei Uhr in der Früh können sich die Berliner dort eintragen, das Rathaus ist wegen der Langen Nacht der Museen so lange geöffnet. Am Sonntag ist das Rathaus geschlossen, erst am Montag ab 9 Uhr ist das Kondolenzbuch dann wieder zugänglich. Eine Trauerfeier plant die Landesregierung ebenfalls. Senatssprecher Michael Donnermeyer erklärte, der Senat habe deshalb bereits Kontakte zur Familie aufgenommen.

Auch die in der nächsten Woche beginnende Berlinale will den verstorbenen Star gedenken. Der im vergangenen Jahr gezeigte dokumentarische Knef-Film "A Woman and a Half" wird ihr zu Ehren wieder ins Programm genommen. Auch andere Filme sind geplant. Festival-Chef Dieter Kosslick lobte die Knef als "sperrige Künstlerin, vielseitig, provokativ und unverwechselbar", eben "einer der großen Weltstars, die Deutschland hervorbrachte."

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