Berlin : Hildegard Knef: Zuhause in Freiheit

Heidemarie Mazuhn

Endlich ist sie wieder "draußen in Freiheit" - darüber freut sich Hildegard Knef jeden Tag aufs Neue. Fast drei Monate lag sie im Krankenhaus. In der Lungenspezialklinik "Emil von Behring" in Heckeshorn wurde der Star wegen eines Lungenemphysems - eine dauerhafte Lungenblähung - behandelt. Eine Sauerstoff-Therapie sollte der 75-Jährigen die Krankheit erträglich machen, die mit Kurzatmigkeit einhergeht.

Nein, sehen und empfangen möchte sie noch niemand, sagte gestern ihr engster Berliner Vertrauter, Axel Andree. "Hilde muss sich noch schonen, und außerdem hat sie erst mal genug in der Wohnung zu tun." Die ist neu - Hildegard Knef ist gerade umgezogen. Aus der Klinik ging es vor ein paar Tagen nicht in die Lindenthaler Allee zurück, die 200 Quadratmeter große Wohnung über zwei Etagen und mit zwei Wendeltreppen ist der Künstlerin zu unbequem geworden. Treppensteigen ist für Knef derzeit keine einfache Sache.

Die neue Wohnung in einem Mietshaus im Süden Zehlendorfs liegt im Erdgeschoss, hat Terrasse und Garten. Blick ins Grüne, Ruhe und gute Luft habe sie dort, erzählt Axel Andree. Als enger Freund der Familie hat er den neuerlichen Umzug des Stars mitgestemmt, gemeinsam mit Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott - so heißt der aus einem deutsch-ungarischem Adelsgeschlecht stammende dritte Ehemann der Knef.

Für den Regisseur Andree war es Knefs fünfter Umzug, bei dem er half - der erste war 1983 die Reise nach Hollywood. Damals ging Andree mit über den Teich. Seit Hildegard Knef die Klinik verlassen hat, fährt er "zwei-, dreimal die Woche" ins neues Domizil. Er hofft, dass die Knef bald wieder malen kann, "das ist gut für die Seele".

Dass Hildegard Knef sich immer wieder berappelt, das weiß man aus ihren Büchern und Liedern - und manchmal auch von ihr selbst. "Andere in ihrem Alter sitzen schließlich schon 15 Jahre und länger als Rentner rum und gucken in die Sonne", sagt Andree, "so was würde Hilde auf Dauer gar nicht aushalten." Aber gerade eben aus der Klinik entlassen, plane sie im Augenblick nichts. "Sie will am Leben teilnehmen, genießt auf ihrer Terrasse den Sommer und freut sich schon auf den Herbst mit seinem goldenem Laub im Garten." Ab und an ein Glas Rotwein gehört zu den kleinen Freuden, die der Künstlerin jetzt wieder "in der Freiheit" vergönnt sind, ganz zu schweigen von den Mahlzeiten, die Ehemann Paul gewohnt fantasiereich zubereitet.

Der muss den Kochlöffel öfters mal weglegen - wenn seine Hilde wieder eine Idee hat, wo sie die Spiegel und Bilder in der neuen Wohnung hin haben möchte. Etwas anderes bereitet der Knef im neuen Zuhause größere Sorgen - waschkörbeweise blieben Fanpost und Genesungswünsche der Berliner für "ihr Hildchen" liegen. Es wird Wochen dauern, bis die sich da durchgeackert hat; da hofft Knef auf das Verständnis ihrer Verehrer.

Die Älteren darunter werden sich freuen - ihr Star besitzt seit kurzem wieder die deutsche Staatsangehörigkeit. 1947 hatte die mit dem Nachkriegsfilm "Die Mörder sind unter uns" bekannt gewordene Berlinerin den Amerikaner Kurt Hirsch geheiratet, drei Jahre später wurde sie US-Bürgerin. Zur britischen Staatsbürgerin avancierte sie 1962 durch die Heirat mit David Cameron. Seit zwölf Jahren lebt die Kosmopolitin wieder in Deutschland - anfangs in München, seit fünf Jahren fest in ihrer Heimatstadt Berlin. Ihrem Antrag auf Wiedereinbürgerung stand nichts mehr im Wege.

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