Hilfe bei Schlaganfall : Rettungsstelle auf Rädern

Mit einem neuen Einsatzmobil können Charité und Feuerwehr Schlaganfallpatienten schneller behandeln. Mit dem Computertomografen an Bord kann die Ursache des Schlaganfalls diagnostiziert und entsprechend geholfen werden.

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Wenn die Zeit drängt. Im „Stroke Unit Einsatzmobil“ wird mit einem Computertomographen schon vor Ort ein Schlaganfall diagnostiziert und die Behandlung eingeleitet.
Wenn die Zeit drängt. Im „Stroke Unit Einsatzmobil“ wird mit einem Computertomographen schon vor Ort ein Schlaganfall...Foto: dpa

Von außen sieht das Stemo zunächst ganz stino aus: Wie ein normaler Krankenwagen der Feuerwehr. Aber das „Stroke Unit Einsatzmobil“ hat es in sich – im wahrsten Sinne des Wortes: Im Fahrzeug befindet sich Medizintechnik, die es möglich macht, nach einem Schlaganfall sofort vor Ort die Diagnose zu stellen und mit der Behandlung zu beginnen. Damit wird wertvolle Zeit gewonnen. Am Freitag haben Charité-Chef Karl Max Einhäupl und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) das neue Gefährt vorgestellt. Es ist das erste seiner Art in Deutschland.

„Das Hirn lebt quasi von der Hand in den Mund“, erklärte Einhäupl bei der Präsentation. „Anders als andere Muskeln stellt es bei Unterbrechung der Blutzufuhr, selbst wenn sie nur Bruchteile von Sekunden dauert, sofort seine Funktion ein.“ Die Schadenskaskade würde wie bei einer Lawine klein anfangen und rasend schnell größer werden. Je eher man handelt, desto besser.

Bisher läuft die Rettungskette im besten Fall so ab: Die Verwandten erkennen die Anzeichen eines Schlaganfalls wie herabhängende Mundwinkel und verzögertes Reagieren auf Ansprache. Sie rufen die Feuerwehr, die den Patienten ins nächstgelegene Krankenhaus mit einer Stroke Unit bringt, einer auf Schlaganfall spezialisierten Rettungsstelle. Im schlechtesten Fall werden die Anzeichen nicht erkannt, der Patient kommt irgendwann in irgendein Krankenhaus, wo weitere Zeit verstreicht, bis überhaupt klar wird, dass er einen Schlaganfall erlitten hat.

Das Stemo, vor allem sein mobiler Computertomograf, verkürzt diese Prozesse deutlich. In neun von zehn Fällen ist ein durch Gerinnsel verstopftes Blutgefäß Ursache des Schlaganfalls. Mit einer sogenannten Lyse kann die Verstopfung aufgelöst werden. Aber manchmal ist eben auch das Gegenteil der Fall: Der Schlaganfall wird durch eine Blutung ausgelöst. Hier wäre eine Blutverdünnung fatal. „Der beste Neurologe der Welt kann das nicht von außen sehen“, so Einhäupl, „dazu brauchen Sie einen Computertomografen.“ Die Besatzung des Stemos – ein als Notarzt qualifizierter Neurologe, ein Röntgenassistent und ein Rettungsanitäter der Berliner Feuerwehr – kann innerhalb von Minuten die Blutwerte bestimmen und die Therapie einleiten. Bei der Patientenübergabe ins Stroke Unit geht keine Zeit mit Bürokratie verloren. Ziel ist eine Behandlung innerhalb der sogenannten „goldenen Stunde“, der ersten Stunde nach Symptombeginn, sagt Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie. Das Stemo ist in der Feuerwache Uhlandstraße in Wilmersdorf stationiert. 1,2 Millionen Berliner können damit erreicht werden.

Bei der Entwicklung haben Wissenschaft und Wirtschaft zusammengearbeitet. Beteiligt waren neben Charité und Berliner Feuerwehr die Firmen Meytec und Brahms, gefördert wurde das rund zwei Millionen Euro teure Projekt von der Technologiestiftung Berlin. Noch überwiegt der Forschungscharakter, aber Einhäupl ist zuversichtlich, dass bald andere Städte nachziehen und Berlin sogar einen zweiten Wagen bekommen wird.

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