Berlin : Hilfe für die „coolen Kids“

Neues Projekt: Polizei will Gewaltkarrieren schon im Vorfeld verhindern

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Eine Gruppe libanesischer Grundschüler zieht eine Straße weiter zum Französischen Gymnasium und verprügelt deren Schüler: Dieser Vorfall im Frühjahr 2005 veranlasste die Polizei, vom kommenden Schuljahr an ein neues Sozialpädagogisches Projekt anzubietet: „Coole Kids starten durch“ heißt es. Zielgruppe sind ausländische Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren, die bereits als Schulschwänzer oder als Gewalttäter auffielen.

Getestet wurde das Konzept des Projektes mit jenen Tiergartener Grundschülern, die am Französischen Gymnasium zugeschlagen hatten. Man versuchte, ihnen einen regelmäßigen Schulbesuch näher zu bringen, außerdem Selbstbewusstsein und Gruppengefühl.

Das Projekt wird von der Freien Universität begleitet und soll Gewaltkarrieren von Jugendlichen gleich am Anfang beenden – bevor es zu spät ist. „Wir gehen damit an die Grenzen unseres polizeilichen Auftrages“, sagte Polizeipräsident Glietsch gestern. Gleichwohl sei es notwendig, da die Gewaltkriminalität bei Jugendlichen auf hohem Niveau stagniert, während bei fast allen anderen Straftaten Rückgänge verzeichnet werden.

Projektleiterin Jutta von Döllen hatte zur Vorbereitung die Akten von 138 Intensivtätern gelesen, 80 Prozent waren ausländischer Herkunft, fast alle waren männlich und hatten das gleiche Umfeld: Kaputte Elternhäuser, kein Platz zum Spielen, kein eigener Besitz, jeder dritte war bereits einmal als vermisst gemeldet worden. Die „Karriere“ steigert sich in der Regel vom Ladendiebstahl, Kioskeinbruch zum bewaffneten Raubüberfall.

Wenn die Polizei nach Festnahmen bei den Eltern anrief und um Abholung bat, hörte sie oft diesen Satz: „Den können sie behalten.“ Die Eltern seien dankbar und froh, dass ihnen jemand hilft, sagte von Döllen. Telefonische Infos gibt es unter der Nummer 4664-994310. Ha

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