Hilfe für die Lebensretter : Wenn die Feuerwehr in Not gerät

Dass Feuerwehrleute während eines Einsatzes nicht nur massiv behindert, sondern sogar bedrängt werden - wie letztens in Kreuzberg - ist kein Einzelfall. In Berlin gibt es jetzt eine Debatte um die Sicherheit der Beamten.

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Zur Hilfe. Die BMW-Fahrerin hat einen Unfall, die Feuerwehr kann schließlich doch retten: der Einsatz in Kreuzberg.
Zur Hilfe. Die BMW-Fahrerin hat einen Unfall, die Feuerwehr kann schließlich doch retten: der Einsatz in Kreuzberg.Foto: Andreas Meyer

Nach dem Vorfall, bei dem Feuerwehrleute in Kreuzberg bei einem Einsatz massiv von aggressiven Migranten behindert wurden, gibt es in Berlin eine Debatte um die Sicherheit der Beamten. Um bei solchen Einsätzen deeskalierend einwirken zu können, schlägt CDU-Innenexperte Peter Trapp vor, Ansagen von Band in verschiedenen Sprachen über Lautsprecher der Einsatzwagen abzuspielen. Der frühere Berliner Feuerwehrchef Albrecht Broemme, jetzt Bundes-Chef des Technischen Hilfswerks, sagt: „Ich halte es für bedenklich, dass Rettungskräfte bei einem Einsatz in Haiti ihrer Arbeit selbstverständlicher und sicherer nachkommen können als Feuerwehrleute in solchen Extremsituationen wie jetzt in Kreuzberg.“

Die Feuerwehr führt keine Statistik über Behinderungen durch Passanten und Schaulustige. Nach Angaben des CDU- Politikers Trapp und des Feuerwehrlagedienstes häufen sich aber Fälle, in denen sich Schaulustige mit Migrationshintergrund respektlos oder aggressiv verhalten. In der Nacht zu Mittwoch musste wie berichtet an der Ecke Gneisenaustraße/Mehringdamm eine Frau aus ihrem BMW befreit werden. Rund 20 Umstehende wollten die Beamten daran hindern. Welcher Nationalität die Passanten waren – einige davon Angehörige der Frau –, konnte die Feuerwehr nicht genau sagen. Die Personen sollen angeblich Sorge gehabt haben um das hochwertige Auto.

„Eins ist klar: Wenn wir nicht die Polizei alarmiert hätten, die den Einsatz absicherte, hätten wir die Rettung abbrechen müssen“, sagt Feuerwehrsprecher Christian Konitzki. Die Polizei zu rufen sei die einzige Chance, die Arbeit durchzusetzen; Statistiken zu solchen Einsätzen führt die Polizei ebenfalls nicht. Berlin unterstützt eine Bundesratsinitiative zur Strafverschärfung für Täter. Die Feuerwehr versucht seit anderthalb Jahren mit der Kampagne „Einsatz Berlin“, Bürger nichtdeutscher Herkunft zu begeistern. Derzeit kommen rund fünf Prozent der Retter aus der sogenannten dritten Einwanderergeneration. „Aus Dienstplangründen kann man Mitarbeiter mit Migrationshintergrund nicht gezielt zu Einsätzen etwa nach Kreuzberg schicken oder dort in den Wachen arbeiten lassen“, sagt Konitzki. Beim Projekt „Einsatz Berlin“ haben zwei Dutzend Jugendliche mit Realschulabschluss – ohne die sonst erforderliche abgeschlossene Berufsausbildung – die Feuerwehrlaufbahn eingeschlagen. Auch hier: kaum Migranten. In der türkischen und arabischen Welt ist der Beruf des Feuerwehrmanns nach Kenntnis der Berliner Behörde und von THW-Chef Broemme nur gering anerkannt. Broemmes Organisation und die Freiwillige Feuerwehren würden sich über mehr Migranten in den eigenen Reihen freuen. „Doch viele sind oft familiär stärker engagiert, oder sie denken, sie bräuchten einen deutschen Pass.“ Nach Broemmes Erfahrung eskalierten Situationen oft wegen Missverständnissen, etwa, „wenn alle Familienmitglieder mit einem Unfallopfer im Rettungswagen mit in die Klinik fahren wollen“.

Eine weitere Attacke gegen Ordnungshüter hatte es am Montagabend im Tiergarten gegeben. Dabei setzte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes Pfefferspray ein. Laut Stadtrat Carsten Spalleck hatten zwei uniformierte Kontrolleure fünf Personen angesprochen, die unter einem Baum grillten, von dem sie Zweige als Feuerholz abgerissen hatten. Es kam zum Handgemenge, als das Quintett flüchten wollte: Als sie zwei Beteiligte festhalten wollten, sei ein Bezirksmitarbeiter geschlagen, seiner Kollegin der Daumen ausgerenkt worden. Die Polizei ermittelte stark erhöhte Alkoholwerte bei den Grillern. Gegen die beiden körperlich aggressiven Personen wurde ein Verfahren wegen Beleidigung und Körperverletzung eingeleitet. Es war laut Stadtrat die erste Attacke dieser Art im Tiergarten – „Beschimpfungen und Beleidigungen sind aber leider nicht unüblich“.

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