Berlin : Hilfe für die Seele – auf Deutsch

Polizeipfarrer Reinhard Voigt betreute die Angehörigen der Brandopfer

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Das Notfallhandy des Polizeipfarrers Reinhard Voigt (55) klingelte um 0.15 Uhr. Als der evangelische Pfarrer vor dem brennenden Haus in der Ufnaustraße eintraf, „war die Lage wie immer zuerst einmal chaotisch“, sagt Voigt. Die Menschen seien aufgeregt, verzweifelt, in Panik gewesen. „Wir haben sie zunächst mit Decken und Getränken versorgt.“

Schnell kam heraus, dass viele Mieter ihre Angehörigen vermissten. „Und einigen mussten wir dann auch Fotos der Toten vorlegen zur Identifikation“, schildert Voigt. Gerade dann sei es wichtig, den Menschen zu zeigen: Hier ist jemand, der zuhört. Und auch jemand, der beim Weinen und Trauern beisteht. Die Opfer hätten sehr unterschiedlich reagiert: „Einige saßen dort mit versteinerter Miene, andere sind in Tränen ausgebrochen.“

Die Betroffenen aus dem Brandhaus seien fast alle Kosovo-Albaner oder Polen. Doch die Sprache sei für Pfarrer Voigt kein Hindernis gewesen: „Die haben Deutsch verstanden und wir konnten uns auch problemlos auf Deutsch verständigen.“ Als Seelsorger sei es wichtig, darauf zu achten, den Menschen Hilfe anzubieten, sich aber nicht aufzudrängen. „Jeder muss für sich entscheiden, wie er trauert und ob er über darüber sprechen möchte.“ Hilfreich sei gewesen, dass unter den Mietern viele Großfamilien waren. „Die Angehörigen konnten sich untereinander helfen“, sagt Voigt. Seit dem Frühjahr habe die Notfallseelsorge Berlin auch die Möglichkeit, türkische Seelsorger anzufordern.tabu

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