Hilfe für "Herbstlaube" : Bezirk will bedrohten Seniorentreff am Helmholzplatz retten

Eigentlich schienen die Tage der "Herbstlaube" gezählt. Die finanziellen Mittel waren erschöpft. Nun will der Bezirk den bedrohten Seniorentreff am Helmholtzplatz doch noch retten.

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Musik macht munter. Im Seniorentreff "Herbstlaube" in Prenzlauer Berg ist die Laune seit 23 Jahren gut.
Musik macht munter. Im Seniorentreff "Herbstlaube" in Prenzlauer Berg ist die Laune seit 23 Jahren gut.Foto: Mike Wolff

Noch will Karin Ehrlich dem Frieden nicht trauen. Zu lange musste sie um das Projekt bangen, in das sie 23 Jahre Arbeit gesteckt hat. Nun sieht es gut aus für ihren Seniorentreff „Herbstlaube“: Mit viel Kampfgeist und einem Straßenfest hat sie Kultur-Bezirksstadtrat Torsten Kühne auf das gefährdete Projekt aufmerksam gemacht. Nun verhandeln der CDU-Politiker und Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung Pankow über eine Nothilfe für die Einrichtung. Die studierte Rechtswissenschaftlerin lässt verhaltene Zufriedenheit durchscheinen. Sie hat den Eindruck gewonnen, dass sich „der Bezirk durchaus in der Pflicht sieht“.

Denn eigentlich schienen die Tage der „Herbstlaube“ gezählt. Zum 1. Mai sind die Räume des Trägervereins „Miteinander Füreinander“ in der Dunckerstraße am Helmholtzplatz gekündigt. „Das Ausräumkommando steht schon vor der Tür“, sagte Vereinsgründerin Karin Ehrlich noch vor zwei Wochen. Ein Jahr lang hatte sie Einrichtungsgegenstände vom Klavier bis zur Küche verkauft, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, nun sind die finanziellen Mittel ausgeschöpft. Seit einem Jahr bekommt der Verein keine Unterstützung mehr, vorher hatte das Sozialamt ABM-Kräfte und Ein-Euro-Jobber bewilligt. 1400 Euro bräuchte der Verein monatlich, um sich tragen zu können, 12 000 Euro bis zum Ende des Haushaltsjahres. Das Geld soll nun aus Sondermitteln kommen, im laufenden Haushalt gibt es keine Lücken für Sonderausgaben.

Karin Ehrlich.
Karin Ehrlich.Foto: Mike Wolff

Bevor die Zuschüsse wegfielen, kam das Geld aus dem Haushalt von Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztanowicz (SPD). Sie hat einen einfachen Grund für die Kürzung: Das Sozialamt habe einfach immer weniger Geld zur Verfügung, allein im Haushaltsjahr 2012 musste ihr Ressort mit 100 000 Euro weniger auskommen. „Das kann man dem Bezirk nicht ankreiden, sondern es macht sich an allen Ecken und Enden bemerkbar“, sagt Zürn-Kasztanowicz. Sie sieht sich in dem Dilemma, zu entscheiden, welche Einrichtung geschlossen werden muss. Schließung sei letztendlich immer der falsche Weg, gab sie auf schriftliche Anfrage an. „Dass wir einfach zu wenig Geld für diese wichtige Aufgabe haben, das ist das eigentliche Thema“, schrieb sie. Die Stadträtin verweist darauf, dass 76 Prozent der vom Sozialamt geförderten Projekte Seniorenprojekte seien, 15 andere Treffpunkte für ältere Menschen gibt es im Bezirk.

Den Verein von Karin Ehrlich gibt es seit 23 Jahren: Sie gründete ihn direkt nach der Wiedervereinigung, am 4. Oktober 1990, indem sie damals ein ehemaliges Parteibüro der Nationalen Front besetzte und eine „Sorgencouch“ auf die Straße stellte, um vor allem älteren Leuten eine Plattform nach dem plötzlichen Systemwechsel zu geben. Seitdem hat sie mitangesehen, wie sich der Kiez gewandelt hat. „Die Gentrifizierung in Prenzlauer Berg bekommen wir hier eins zu eins mit“, sagt sie, „viele Senioren sind wegen der hohen Mieten nach Marzahn in einen Wohnsilo gezogen.“ Um die 20 Stammgäste und einige sporadische Besucher kämen immer noch.

Angeschlossen an den Seniorentreff ist ein Museum mit einer Arbeiterwohnung, wie sie um 1900 in Berlin üblich war. Die Pensionäre aus der „Herbstlaube“ erklären Schulklassen das Leben vor 100 Jahren, das soll die Rentner mental fit halten und die Schüler mit Geschichten aus erster Hand versorgen. Die Ausstellung wurde vor zehn Jahren unter der Ägide des Kulturressorts eingerichtet, nun steht sie auf der Kippe. „Es ist ein generationsübergreifendes Projekt“, erklärt Stadtrat Kühne den besonderen Wert des Museums, das zusammen mit der „Herbstlaube“ ein Gesamtprojekt bildet. Doch schnelle Lösungen kann er nicht versprechen: „Je mehr man sich damit beschäftigt, desto mehr Dinge müssen geklärt werden.“

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