Berlin : Hilfe für missbrauchte Seelen

Das Kinderschutzzentrum bietet Mädchen und Jungen Zuflucht in einer alten Villa. Doch es fehlt an therapeutischem Spielzeug wie Fahrrädern

Vivien Leue

Das Haus erinnert an die Villa Kunterbunt von Pipi Langstrumpf. Die alte Stadtvilla ist groß und wirkt einladend: dunkle Holzverkleidung, hellen Wände. Aus den Zimmern im ersten Stock dringen fröhliche Stimmen. Ein Kind kommt vorbei, schaut kurz auf und ist schon wieder verschwunden. „Das Mädchen“, sagt Peter Berding, „ist schon über einen Monat hier.“ Berding ist Sozialpädagoge und arbeitet in der Wohngruppe des Kinderschutzzentrums Berlin e.V. Zusammen mit der Vorstandsvorsitzenden des Vereins, Elke Nowotny, führt er durchs Haus. Bis zu fünf Monate lang werden hier rund zehn Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis vierzehn Jahren untergebracht. Sie waren zuvor dem Jugendamt durch seelischen, körperlichen oder sexuellen Missbrauch oder Vernachlässigung durch die Eltern aufgefallen. „Hier kommen Dreijährige an, die nicht in die Hände klatschen oder einen Ball fangen können“, berichtet Elke Nowotny. Defizite in der Bewegungskoordination seien besonders häufig zu verzeichnen. Darüber hinaus hätten viele Kinder Probleme mit menschlichen Kontakten und könnten ihre tiefgehenden Gefühle und Konflikte nur durch Aggressionen und Wutanfälle zum Ausdruck bringen.

Die Grundfinanzierung der Wohngruppe kommt vom Jugendamt, es zahlt einen Pflegesatz für die Unterbringung. Für neue Anschaffungen ist das Kinderschutzzentrum aber schon seit Jahren auf Spenden angewiesen. Mit Hilfe der Tagesspiegel-Leser konnten zuletzt viele Zimmer in der Wohngruppe renoviert werden. Nun gibt es noch bescheidene Wünsche: neue Fahrräder und Dreiräder. „Es fördert das Selbstbewusstsein der Kinder, wenn sie bei uns Fahrradfahren lernen“, sagt Berding. Außerdem können Defizite in der Psychomotorik beseitigt werden. Und Radtouren ermöglichen ein Gemeinschaftsgefühl, das viele Kinder so nie erlebt haben. Um die therapeutische Wirkung der Ausflüge und gemeinsamen Aktivitäten zu unterstützen, bieten Peter Berding und seine Kollegen Gespräche im „Spielkeller“ an. Der mit Spielzeug, Puppen und Sandkasten ausgestattete Kellerraum bietet den Kindern Schutz und das Gefühl, sich öffnen zu können. Hier wird der schwierige Versuch unternommen, traumatische Erlebnisse aufzuarbeiten.

„Rund ein Drittel der Kinder kann wieder in den Familienkreis zurückgeführt werden“, sagt Elke Nowotny. Die Experten geben sich Mühe – dennoch: Vor einigen Jahren waren es die Hälfte.„Doch die Problematiken in den Familien nehmen zu und werden komplexer.“

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