Berlin : Hilfe in schweren Zeiten

Kinderhospiz „Berliner Herz“ unterstützt Familien mit sehr kranken Kindern

Katja Reimann

So groß war die Resonanz noch nie: Fast 270 Vereine und Initiativen haben sich beim Tagesspiegel für die Spendenaktion „Menschen helfen!“ beworben. Aus 56 ausgewählten Projekten stellen wir einige stellvertretend vor. Heute: Das ambulante Kinderhospiz „Berliner Herz“.

Emilia ist zwei Jahre alt, hat lange dunkelblonde Haare und ein zierliches Gesicht. Doch Emilia ist klein für ihr Alter, ihre Haut ist grau. Lange kann sie mit ihrem Zwillingsbruder Lennard nicht durchs gemeinsame Kinderzimmer toben, denn sie wird schnell müde. Das kleine Mädchen hat einen schweren Herzfehler, zwei große Operationen liegen bereits hinter ihr. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Ärzte sie aufgegeben, ihre Mutter, Daniela S., rechnete täglich mit dem Tod ihrer kleinen Tochter. Doch Emilia hielt durch – und strafte die Ärzte Lügen. In der schweren Zeit war die 31-jährige Mutter auf sich allein gestellt: Vom Vater der Kinder hatte sie sich getrennt, ihre Eltern waren verstorben.

Als sie merkte, dass der Alltag mit einem gesunden und einem kranken Kleinkind kaum noch zu bewältigen war, suchte sie nach Hilfe. Fündig wurde sie beim ambulanten Kinderhospiz „Berliner Herz“. Die Organisation unter der Trägerschaft des Humanistischen Verbandes Deutschland unterstützt seit April 2007 Familien mit schwer oder unheilbar kranken Kindern.

Das „Berliner Herz“ bildet ehrenamtliche Familienbegleiter aus. Sie stehen den betroffenen Familien etwa zwei- bis dreimal wöchentlich im Alltag zur Seite, betreuen Kinder, reden mit den Eltern oder helfen bei Behördengängen. 20 Familienbegleiter arbeiten fürs „Berliner Herz“, ebenso viele werden gerade ausgebildet.

Auch Daniela S. bekam eine solche Familienbegleiterin: Renate Glock. Inzwischen ist sie eine Freundin der jungen Mutter, Emilia nennt sie liebevoll „Oma“. Als das Mädchen auf der Intensivstation lag, betreute Renate Glock den Bruder, Lennard. Mit der Mutter führte sie lange Gespräche, tröstete sie. „Daniela weiß, dass sie mich auch nachts jederzeit anrufen kann“, sagt Renate Glock.

Bald stehen der kleinen Emilia zwei weitere schwere Operationen bevor. Noch immer gibt es Hoffnung, dass sie irgendwann ganz gesund sein kann. Das Herz der Zweijährigen sitzt nicht links, sondern rechts, ein Teil des Organs funktioniert nicht. Mit ihren zwei Jahren trägt Emilia bereits einen Herzschrittmacher. Daniela S. weiß, dass die Gefahr für ihre Tochter noch nicht vorüber ist. Zur Arbeit geht die ausgebildete Diätassistentin momentan nicht, sie lebt von Hartz IV.

Vielen anderen Betroffenen geht es ähnlich: Ein schwer krankes Kind in der Familie erfordert Zeit und Aufmerksamkeit, oft müssen die Eltern ihren Beruf aufgeben. Behandlung und Therapie kosten zudem viel Geld. Christiane Edler, Koordinatorin des Kinderhospizes, hat deshalb einen besonderen Weihnachtswunsch: Zu gerne würde sie den kranken Kindern und ihren Eltern einen schönen Tag schenken oder einen letzten Wunsch erfüllen. Einen Ausflug zum Reiterhof zum Beispiel, oder einen Besuch bei Knut. Bislang scheiterte dies am Geld. Um den 30 betreuten Familien in Berlin so etwas zu ermöglichen, ist das „Berliner Herz“ daher dringend auf Spenden angewiesen. Katja Reimann

Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, Kontonr.: 250030942, BLZ: 10050000, Onlinebanking ist möglich. Bitte notieren Sie Namen und Anschrift, Spendenbelege schicken wir dieses Jahr schneller zu.

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