Berlin : Hilfe vom Psychiater

Experte: Brandstifter sollte untersucht werden

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Der 12jährige Brandstifter aus Moabit sollte nach Expertenansicht dringend einem Kinder- und Jugendpsychiater vorgestellt werden. „Man muss in diesem Fall sehr genau prüfen, ob hier eine Störung des Sozialverhaltens vorliegt, die therapiert werden sollte“, sagt Ernst Pfeiffer, Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Charité in Wedding. Denn einiges deute darauf hin, dass der Junge unter einer so genannten dissozialen Störung leiden könnte, bei der es darum gehe, der Umgebung zu schaden.

So sei ein 12-Jähriger durchaus fähig, die gefährlichen Folgen des Kokelns abzuschätzen. Außerdem sei es bedenklich, dass der Junge schon einmal gezündelt habe und sich offenbar nachts ohne Aufsicht außerhalb der Wohnung aufhalten konnte. Denn solche Störungen könnten deshalb entstehen, wenn Eltern ihrem Kind keine Grenzen setzen und es nur unzureichend beaufsichtigen oder fördern.

Diese psychischen Probleme seien gar nicht selten. Von den rund 400 neuen Patienten, die die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wedding therapiere, litten etwa zehn Prozent unter dieser Erkrankung. Sie zeige sich zum Beispiel in Zerstörungswut, ständigen Regelverletzungen, Aggressivität gegen die Eltern oder andere Kinder, Tierquälerei und eben in Brandstiftungen.

Solche Störungen seien heilbar, sagt Pfeiffer. Auch wenn das einige Zeit dauere – der Psychiater spricht dabei von Jahren. Die ambulante Psychotherapie – nur selten müssten Betroffenen teilstationär in einer Psychiatrie aufgenommen werden – werde mit psychosozialer Betreuung zum Beispiel durch die Jugendämter begleitet. Hauptproblem dabei sei aber, dass die betroffenen Jugendlichen selbst oft über gar kein Problembewusstsein verfügten, was eine Therapie erschwere. „Sie sind eher ein Problem für ihre Umgebung als für sich selbst.“ I.B.

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