Hilfen für Obdachlose : Matten im Flur, Feldbetten im Café

Minusgrade und kein Ende: Berlins Obdachlosenunterkünfte sind überfüllt. Allein die Bahnhofsmission am Zoo versorgt rund 600 Gäste täglich. Hilfen werden dringend gebraucht.

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Warten auf Einlass. Die Stadtmission bietet jedem Bedürftigen ein Bett.
Warten auf Einlass. Die Stadtmission bietet jedem Bedürftigen ein Bett.Foto: dpa

Die Menschen liegen dicht an dicht schon auf Fluren, vor den Toiletten und in Küchen, damit sie auf der Straße nicht Erfrierungen erleiden oder gar den Kältetod sterben: Die Notübernachtungen und Nachtcafés der Berliner Kältehilfe sind überfüllt. „Die Auslastung unserer Notübernachtungen lag im Januar statistisch bei 124,3 Prozent“, sagt Robert Veltmann, Geschäftsführer der GeBeWo. Die gemeinnützige Gesellschaft koordiniert für den Senat die Kältehilfe mit den großen Sozialverbänden, Kirchengemeinden und freien Trägern. Bis zu 200 Bedürftige teils mit Suchtproblemen oder psychischen Krankheiten übernachten da in einer Einrichtung gemeinsam. „Da es eiskalt bleiben soll, suchen wir dringend weitere Räumlichkeiten mit sanitären Anlagen, die wir besenrein übergeben“, sagt Robert Veltmann.

Kein Mensch soll draußen vor der Tür bleiben

Die jetzt von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) im Abgeordnetenhaus genannte Zahl von 97 Prozent Auslastung entspreche nach der Erhebung von Freitagfrüh nicht mehr der Wirklichkeit, sagte Veltmann dem Tagesspiegel. Im Januar 2012 waren am Angebot der Berliner Kältehilfe 31 Projekte (16 Notübernachtungen mit täglicher Öffnung und 15 Nachtcafés mit Öffnung nur an bestimmten Wochentagen) beteiligt. In dem Monat wurden je nach Werktag zwischen 361 und 433 Übernachtungsplätze und somit über den Monat verteilt insgesamt theoretisch 12 010 Übernachtungsmöglichkeiten bereitgestellt. Doch weil Isomatten und Schlafsäcke in jeder Ecke ausgerollt wurden, um keinen Menschen draußen stehen zu lassen, gab es laut GeBeWo tatsächlich 14 927 Übernachtungen, rund 482 Übernachtungen pro Tag – und somit eine Auslastung von 124,3 Prozent. „Auch die regulären Wohnheime für Wohnungslose sind bis unters Dach gefüllt und die Menschen werden aktuell sogar von Behörden auf die Kältehilfe verwiesen“, sagte Robert Veltmann.

Alle helfen ehrenamtlich mit: Unternehmensberater, Arbeitslose

Für die Berliner sei es immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen zu finden, zudem kämen viel mehr Hilfesuchende aus Osteuropa. Allein in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo versorgen die Hauptamtlichen und das Team der rund 65 Ehrenamtlichen „vom Unternehmensberater bis zum Arbeitslosen“ derzeit täglich bis zu 600 Menschen mitSpeisen und Getränken. 50 Sitzplätze gibt es eigentlich, 70 Personen werden wegen der Eiseskälte hereingelassen. Seit Ende Januar gaben fast 600 Berliner persönlich Spenden ab, sagte Leiter Dieter Puhl.

Erstmals in ihrer 20-jährigen Geschichte stellt die Wohnungslosentagesstätte Schöneberg des Unionhilfswerks Notbetten zur Verfügung. Zehn Feldbetten wurden vom Katastrophenschutz ausgeborgt und im Nachtcafé Hohenstauffenstraße 22 aufgestellt. Zwei Mitarbeiter betreuen die Schlafenden in Nachtschichten. „Für uns ist das ein Novum“, sagt Leiter Christian Nawrath, „und ein Muss.“ Laut Ortrud Wohlwend von der Stadtmission seien die Bedürftigen „sehr gerührt und dankbar“.

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