Hilfskommando : Soldaten helfen bei Flüchtlingsregistrierung

Soldaten des Wachbataillons tippen jetzt Flüchtlingsdaten in den PC. Damit entlasten sie das Lageso. Wie lange ihr Einsatz dauert, ist unklar.

Alexandre Masson, Gabriele Scherndl
Mario Czaja (CDU), Berliner Gesundheitssenator, spricht mit Bundeswehrsoldaten in der Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso)
Mario Czaja (CDU), Berliner Gesundheitssenator, spricht mit Bundeswehrsoldaten in der Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit...Foto: dpa

Die Soldaten des Wachbataillons stehen bei Staatsbesuchen am roten Teppich Spalier. Normalerweise. Jetzt sitzen 15 von ihnen im dritten Stock eines ehemaligen Gefängnisses und tippen Datensätze in ihre Computer.
Seit Donnerstagmorgen sind sie in der Außenstelle des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in der Kruppstraße in Moabit im Einsatz. Sie helfen bei der Erstregistrierung von Flüchtlingen. Ab Mittwoch sollen weitere 35 Soldaten zur Amtshilfe abkommandiert werden, 25 von ihnen kommen dann direkt ins Lageso in der Turmstraße.
Die Soldaten des Wachbataillons wurden einen Tag lang im Schnellverfahren auf ihre neue Aufgabe vorbereitet. Dabei mussten sie im Wesentlichen die spezielle Erstaufnahme-Software namens „Easy“ kennenlernen. Die Bundeswehr hatte sie ausgewählt, weil sie schon über ausreichende Computerkenntnisse verfügen. Ihr Dienst in der Erstaufnahme ist auf zwei bis drei Wochen begrenzt, jedoch gebe es laut Mario Czaja (CDU), Senator für Gesundheit und Soziales, die Möglichkeit, den Hilfseinsatz zu verlängern.

"Wollen klarmachen, dass sie nur hier sind um zu helfen"

Die Soldaten haben bei ihrer neuen Arbeit nicht direkt mit Flüchtlingen zu tun, sie sind nur für die Eingabe der Daten in die Software zuständig. Dennoch treffen sie innerhalb des Gebäudes in der Kruppstraße auf Asylbewerber. Auch auf dem Außengelände des ehemaligen Gefängnisses befinden sich drei Zelte, die als Wartebereich für Familien dienen sollen. Doch Czaja betont: „Die Sprachmittler erklären den Geflüchteten, dass sie keinerlei Angst vor den uniformierten Soldaten haben müssen. Sie versuchen klarzumachen, dass diese nur hier sind, um ihnen zu helfen.“


Mit der Unterstützung von Polizei und Bundeswehr können laut Czaja künftig bis zu 500 Flüchtlinge pro Tag registriert werden, bisher waren es 150. Die Erstaufnahmestelle in der Kruppstraße soll das Lageso entlasten. „Natürlich verbessert das die Lage im Lageso nicht, aber es ist ein Beitrag dazu, dass nicht noch mehr Flüchtlinge in die Turmstraße kommen“, sagt Michael Theil vom Lageso. In der Moabiter Kruppstraße werden nur jene Flüchtlinge registriert, die über Bayern nach Berlin in die Glockenturmstraße im Ortsteil Westend kamen.

Mobile Teams haben sich nicht bewährt

Derzeit arbeiten die Mitarbeiter in der Kruppstraße und damit auch die Soldaten nach den regulären Lageso-Zeiten von 8 bis 17 Uhr. „Diese Zeiten werden wir jedoch noch weiter ausdehnen müssen“, sagte Thiel dazu.
Sozialsenator Mario Czaja begründete den Einsatz der Bundeswehrsoldaten, die eigentlich nur in Katastrophenfällen im Inland aktiv werden, mit einer Arbeitsüberlastung seiner Behörde. „Diese Datenverarbeitung machen im Lageso auch Sozialarbeiter, die haben mittlerweile aber in sehr vielen Aufgabengebieten zu tun.“

Außerdem habe sich der Einsatz von mobilen Teams zur Registrierung der Flüchtlinge in den Berliner Heimen nicht besonders bewährt. „Die Registrierung in den Unterkünften ist nicht besonders zielführend. Wenn das Team eintrifft, sind die Geflüchteten manchmal gerade unterwegs, etwa zum Einkaufen. Manche gehen auch zum Lageso zurück, um sich dort erstregistrieren zu lassen“, erklärte Sozialsenator Mario Czaja.

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