Berlin : Hilmar Bärthel erforscht Heimat- und Technikgeschichte

Steffi Bey

Wer weiß schon, dass Köpenick die Geburtsstätte des Radars ist? Dass sich der Ortsteil Hirschgarten zwischen 1890 und 1907 "Seebad und Luftkurort" nennen durfte, weil sich dort eine Solquelle befand? Oder dass die erste deutsche Großsende- und Empfangsstation für den drahtlosen Funk 1902 in Oberschöneweide stand? Hilmar Bärthel hat diese und andere "Köpenicker Ereignisse im Zeitalter der Technik" in einem Buch zusammengefasst.

Auf 134 Seiten beschreibt der promovierte Ingenieur, was er in genau 2347 Arbeitsstunden zusammengetragen hat. Detailliert erläutert er er alle 102 Brücken im Bezirk, erklärt die Geschichte sämtlicher Pferde-, Dampf- und Straßenbahnen, liefert Skizzen und Beschreibungen der sechs Gas- und elf Wasserwerke, die einst das Gebiet versorgten. "Köpenick hat eine einzigartige technische Geschichte", sagt der 79-Jährige. Auf viele Besonderheiten ist er während der Recherchen für einige seiner anderen Bücher gestoßen. Vier hat er neben dem Köpenicker Band in den vergangenen zehn Jahren verfasst: Dazu gehören "Die Geschichte der Gasversorgung Berlins", "Die Luftbrücke für Berlin und die Bewag" sowie "Wasser für Berlin". Letztgenanntes wurde auf einem Internationalen Kongress den 4000 Delegierten als Gastgeschenk überreicht, erzählt der Rentner mit dem verblüffenden Zahlengedächtnis. Bis zum Jahresende will er sein sechstes großes Werk über die Berliner Kanalisation fertiggestellt haben. "Dann möchte ich etwas kürzer treten", sagt der Technik-Experte leise.

Zum Buchautor ist er geworden, als 1990 das Büro für Tiefbauplanung- und -koordinierung des Ost-Berliner Magistrats aufgelöst wurde. "Ich habe mir überlegt, dass ich nun meine viele freie Zeit effektiv nutzen kann", erinnert sich Bärthel, der mit seiner Frau in Mahlsdorf lebt. Immerhin 14 Jahre lang war er für den Untergrund der DDR-Hauptstadt zuständig. Er hat alle großen unterirdischen Trassen geplant: Für sämtliche Leitungen sowie U-Bahn-Schächte und Tunnel. Noch heute erhält der Fachmann manchmal Anrufe von Technikinteressierten, die ihn nach verschiedenen Details fragen. Und Bärthel gibt bereitwillig Auskunft. Auch seine Frau bezieht er ab und zu in seine Arbeit ein. "Schon oft hat sie mir empfohlen, dass ich das eine oder andere für Laien verständlichen erklären muss." Aber dafür ist er ihr natürlich dankbar.

Bärthel arbeitet mit dem Computer und sitzt oft bis spät in die Nacht über seinen Texten, die er auch für Vorträge verfasst. Aber er hat auch eine weitere Leidenschaft: die Malerei. In seinem Arbeitszimmer hängen mehrere Ölbilder, darunter ein wunderbares Selbstbildnis.

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