Himmel, hilf! : Bürger kämpfen gegen Kirchenverfall am Park Sanssouci

Am Sonntag startete die bundesweite Aktion "Rettet die Friedenskirche". Um das Bauwerk am Eingang zum Park Sanssouci ist es nicht gut bestellt: Die Seitendächer und der Marmorfußboden sind marode, die Taufkapelle muss restauriert werden - und der Glockenturm ist vom Einsturz gefährdet.

Klaus Büstrin
Schön hier. Aber leider ziemlich marode. Der bauliche Zustand der Friedenskirche Sanssouci ist alarmierend.
Schön hier. Aber leider ziemlich marode. Der bauliche Zustand der Friedenskirche Sanssouci ist alarmierend.Foto: Andreas Klaer

Zu den beliebtesten Gotteshäusern Potsdams gehört die malerisch gelegene Friedenskirche am Eingang zum Park Sanssouci. Natürlich haben Gottesdienste noch immer Vorrang. Doch immer wieder werden hier Taufen oder Hochzeiten gefeiert, wird zu Konzerten und sogar Opernaufführungen eingeladen. Auch allerlei Prominenz nutzt gern die Kirche als feierlichen Rahmen für eine sakrale Feier. So ist die Hohenzollern-Familie in jeder Adventszeit seit der Wiedervereinigung 1990 Gastgeber eines Benefizkonzerts. Aufgeführt wird das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es um den baulichen Zustand der Kirche schlecht bestellt ist.

Prinz Georg Friedrich von Preußen und seine Frau Prinzessin Sophie, die 2011 in einem ökumenischem Gottesdienst in der Friedenskirche unter regem Medieninteresse heirateten, pflegen besondere Beziehungen zu dem sakralen Bauwerk im Park Sanssouci. Jetzt hat sich Prinz Georg Friedrich bereit erklärt, als Botschafter bei der Aktion „Rettet die Friedenskirche“ mitzuwirken. Der Bauverein der Gemeinde hat diese Kampagne initiiert und dafür die Stiftung Deutscher Denkmalschutz gewinnen können. Gemeinsam wollen sie bundesweit Spenden sammeln, denn das Gebäude hat es bitter nötig. Dringende Sanierungen müssten in den kommenden Jahren durchgeführt werden, um dem drohenden Verfall entgegenzuwirken. Am Sonntag wurde im Gottesdienst in der Friedenskirche die Aktion gestartet.

Nun sollen mit einer bundesweiten Spendenaktion die nötigen Millionen für eine Sanierung gesammelt werden.
Nun sollen mit einer bundesweiten Spendenaktion die nötigen Millionen für eine Sanierung gesammelt werden.Foto: Andreas Klaer

Rund 6,5 Millionen Euro werden schätzungsweise für die Sanierung benötigt. Sollte mit den nötigen Arbeiten noch länger gewartet werden, könnten sich diese Kosten beträchtlich erhöhen. Denn eine Generalsanierung hat es im Gotteshaus noch nie gegeben. Bisher war hier immer Flickarbeit angesagt. Und zu DDR-Zeiten hatten die Staatlichen Schlösser und Gärten wenig Interesse, die Schäden an der Kirche zu beseitigen.

Horst-Dieter Weyrauch vom Gemeinde-Bauverein zählt die aktuellen Schäden an der Kirche auf, die im italienisierten Stil gestaltet ist: Da sind die Seitendächer sowie der Marmorfußboden, die marode sind, die Taufkapelle, die auf eine Restaurierung wartet, ein vom Einsturz gefährdeter Glockenturm oder auch der Säulengang entlang des Friedensteichs, der bereits durch einen Zaun gesperrt ist. Die Tragekonstruktion des berühmten und wertvollen Mosaiks der Apsis aus dem 13. Jahrhundert ist vom Rost zerfressen und bedarf ebenfalls dringend der Aufmerksamkeit von Restauratoren.

Gemeindepfarrer Simon Kuntze sagt zu der Spendenaktion: „Die Gemeinde steht unbedingt in der Verantwortung für das Friedenskirchenensemble.“ Natürlich aber auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Deren Pressesprecher Frank Kallensee konnte auf Anfrage keinen Termin für einen Sanierungsbeginn nennen. „Aber dieses signifikante Bauwerk bedarf in den kommenden Jahren selbstverständlich der restauratorischen Aufmerksamkeit. Darum freuen wir uns über jegliches Bürgerengagement, auch das der Friedenskirchengemeinde sowie der Stiftung Deutscher Denkmalschutz“, sagte Kallensee.

Rund 6,5 Millionen Euro werden schätzungsweise für die Sanierung benötigt.
Rund 6,5 Millionen Euro werden schätzungsweise für die Sanierung benötigt.Foto: Andreas Klaer

Die Friedenskirche Sanssouci wurde 1848 im Auftrag König Friedrich Wilhelms IV. von den Architekten Ludwig Persius und Friedrich August Stüler erbaut. Römische Kirchen, die der Monarch von seinen Italienreisen sowie Kupferstichen kannte, dienten ihm als Vorbilder. Schließlich wurde sie seine Hof- und Grabeskirche. Der König hat sie jedoch auch zur ewigen Nutzung der Gemeinde anvertraut. „Dass wir als Kirchengemeinde das Gotteshaus nutzen, entspringt keinem Mietvertrag mit der Schlösserstiftung, sondern dem Widmungszweck des Königs, über den niemand verfügen kann“, betont Pfarrer Kuntze. Das Äußere des Baus sowie die Kunstwerke im Inneren obliegen der denkmalpflegerischen Aufsicht der Schlösserstiftung SPSG, die als Eigentümerin der Grundstücke im Grundbuch eingetragen ist. Im Jahre 2003 wurde in einem Vertrag zwischen der Stiftung und der Friedenskirchengemeinde die Eigentumsfrage festgeschrieben.

Es bröckelt - aber hoffentlich nicht mehr lange.
Es bröckelt - aber hoffentlich nicht mehr lange.Foto: Andreas Klaer

Die bundesweite Aktion „Rettet die Friedenskirche“ soll neben dem Sammeln von Spenden vor allem auch für die Bewahrung von wertvollen architektonischen Zeugnissen sensibilisieren. „Wir sollten uns aber darauf einstellen, dass das Sammeln von Geldern eine Langzeitaufgabe ist“, sagte Heidrun Gerber von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz in Potsdam.

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