Himmel über Berlin : Sorge um Eritrea – und Deutschland

Beim ökumenischen Gottesdienst in der Marienkirche gedachte man der verfolgten Christen.

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Taktvoll. Der Chor der eritreisch-orthodoxen Gemeinde in der Marienkirche. Foto: Bodo Straub
Taktvoll. Der Chor der eritreisch-orthodoxen Gemeinde in der Marienkirche.Foto: Bodo Straub

Der Chor singt einfach weiter, immer lauter, zum Takt der Trommel und der Rasseln; die Sänger wippen hin und her, die Handflächen zum Himmel. Dass hinter ihnen die Lektorin schon lange am Rednerpult steht und den Paulusbrief verlesen möchte, sehen sie nicht. Noch eine Wiederholung, noch eine, kehlig und schleppend klingt der Gesang durch die Marienkirche. Irgendwann dann, viele Minuten später, ein Schlag auf die Trommel, Ende, Zeit für den Paulusbrief.

Beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntag in der Marienkirche beim Alexanderplatz gedachte die evangelische Gemeinde der verfolgten Christen in der Welt, wie seit 2008 immer am zweiten Sonntag in der Passionszeit. Partner dieses Mal: die eritreisch-orthodoxe Gemeinde. Die gibt es in Berlin zwar erst seit März 2015, aber sie hat schon einen Chor, der den Gottesdienst begleitete.

„Wir schauen mit großer Sorge nach Eritrea“, sagte Bischof Markus Dröge in seiner sehr politischen Predigt. Zwei- bis dreitausend Menschen in der Militärdiktatur in Ostafrika seien wegen ihres Glaubens inhaftiert, darunter viele Christen, sieben Prozent der Bevölkerung seien auf der Flucht, viele auch nach Deutschland. Und hier „müssen wir auch den Menschen gerecht werden“, sagte Dröge.

Rechtspopulisten, die „wenig Ahnung von der Botschaft Jesu haben“, verkehrten das Evangelium ins Gegenteil, um Stimmung zu machen gegen die Neuankömmlinge – gegen Menschen wie Mihretab M. zum Beispiel. Der 28-Jährige kam vor eineinhalb Jahren aus Eritrea über Äthiopien und Sudan nach Libyen und von dort in einer 44-stündigen Überfahrt nach Italien. Jetzt lebt er in Neuruppin und singt im Chor der Berliner Gemeinde. Gar nicht so einfach, weil deren Gottesdienste in der Schöneberger Philippuskirche meist um sechs Uhr am Sonntagmorgen beginnen. Sie dauern dann aber auch um die drei Stunden – viel Zeit für lange Gesänge.

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