Himmelfahrtskirche Steglitz : Griechische Kirche in Berlin: Mehr Besucher in der Krise

Ein Anlaufort für Griechen in Berlin ist die Himmelfahrtskirche in Steglitz - besonders für diejenigen, die ihr Heimatland wegen der schlechten Lage verlassen haben.

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Eine griechische Flagge in Berlin - im Zuge der Krise in ihrem Land sind viele Griechen in die deutsche Hauptstadt gekommen. Ein Treffpunkt für sie ist die griechisch-orthodoxe Gemeinde.
Eine griechische Flagge in Berlin - im Zuge der Krise in ihrem Land sind viele Griechen in die deutsche Hauptstadt gekommen. Ein...Foto: dpa

Morgens um Neun ist es noch leer in der griechisch-orthodoxen Christi Himmelfahrtskirche in der Mittelstraße in Steglitz. Einige wenige ältere Menschen betreten den Kirchsaal, bekreuzigen sich, küssen die große Mutter-Gottes-Ikone vor der Altarschranke. Dann beginnt die Heilige Liturgie. Hinter der großen Ikonostase, wie Wand voller Ikonen heißt, die den Altarraum vom Kirchsaal trennt, hört man die griechischen Gesänge von Pater Melethios. Der Militärseelsorger aus Athen vertritt an diesem Sonntag den Ortspfarrer, Archimandrit Emanuel Sfiatkos. Einige Sänger antworten ihm im Chor.

Vereinzelte Wortfetzen sind auch für Nichtgriechen verständlich – das immer wieder gesungene Kyrie, das „agios theos“, heiliger Gott. Zwischendrin steht die Gemeinde auf, bekreuzigt sich, setzt sich wieder. Dann tritt der Pfarrer mit dem Evangelium vor die Ikonostase. Die Menschen stehen auf, gehen nach vorne, bekreuzigen sich, küssen die Heilige Schrift. Und atmen den Weihrauch ein, den der Pfarrer immer wieder in der Kirche und dem Altarraum schwenkt. Zwischendrin kommen neue Gläubige dazu, andere gehen für ein paar Minuten vor die Tür.

Die Gemeinde ist ein wichtiger Treffpunkt

Am Ende der mehrstündigen Feier ist die Kirche gut gefüllt. „Die Kirchengemeinde ist für uns ein wichtiger Treffpunkt“, sagt Konstantinos Atzemis. Der Kraftfahrer bemüht sich, regelmäßig zu den sonntäglichen Gottesdiensten zu kommen. Vor ein paar Jahren hat er versucht, sich in Griechenland, der Heimat seiner Vorfahren, mit einer Spedition selbständig zu machen. „Aber dann kam 2008, da spürte man schon, dass da was faul im Land war“, sagt Atzemis. Er ging zurück nach Berlin, die Stadt, in der er aufgewachsen war.„Gerade noch rechtzeitig“, sagt er heute.

Ob man im Gemeindeleben etwas von der Krise spürt? „Die Gottesdienste sind schon voller geworden“, sagt Atzemis und grinst. Währenddessen lassen die Kirchgänger ihre Kinder von Pater Melethios segnen. Im Vorraum des Kirchsaals dagegen steht Nikos vom Gemeindevorstand. Seinen Nachnamen will er nicht sagen – „schreiben Sie Papadopoulos, so heißen hier alle“, sagt er und lacht. Auch er sagt, dass es durch die Krise mehr Griechen in Berlin gebe. Neuankömmlinge würden häufig von der Botschaft zur Kirchengemeinde geschickt. „Hier lernt man einander kennen, und kann sich behilflich sein“, sagt Nikos. „Wir sind ein erster Anlaufort für die Griechen in Berlin.“

Gerade erst habe er einen Bauingenieur getroffen, der erst vorgestern nach Berlin gekommen sei, und nun auf Arbeitssuche sei. „Aber in die Kirche kommen auch so viele Menschen“, sagt Nikos. Wenn die griechisch-orthodoxe Gemeinde Ostern feiere, werde sogar die Mittelstraße gesperrt. Dann nähmen 2500 Menschen an der Liturgie teil – dagegen wirken die 150, die an diesem Sonntag den Weg in die kleine Kirche fanden, am Ende fast bescheiden.

Info: Griechen in Berlin

12 500 Griechen sind in Berlin gemeldet, in Deutschland sind es insgesamt 280 000. Nach Angaben der Hellenischen Gemeinde sind seit der Krise etwa 3000 Griechen nach Berlin gekommen, auf der Suche nach Arbeit. Die Hellenische Gemeinde hat ihren Sitz in der Mittelstraße, nahe dem S- und U-Bahnhof Rathaus Steglitz. Dort befindet sich auch die Kathedrale der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde.

Nach Angaben des Ökumenischen Rats hatte die Kirchengemeinde bis 1943 eine Kapelle in der Griechischen Botschaft. Im Krieg wurde die Kapelle zerstört; eigentlich sollte im Jahr 2012 die neue Botschaft im Diplomatenviertel eröffnet werden – daraus wurde nichts. Neu gegründet wurde die Gemeinde 1953 und zählt heute 10 000 Mitglieder. 1976 konnte die Kathedrale Himmelfahrt Christi geweiht werden.

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