Berlin : Hinter den Kulissen: Diepgen in Washington und weiteres

weiteres

Locker und entspannt war Eberhard Diepgen bei seinem Besuch in Washington. Angenehm umwehte ihn der Geist der historischen Nähe, die ja auch von bleibendem Wert sein soll. Ehrensache, dass er von Außenminister Colin Powell herzlich unkompliziert empfangen wurde. Es war wie eine Erholung von den Koalitionsturbulenzen. Was ist schon eine Rathaus-Krise gegen die großen Berlin-Krisen von einst. Natürlich hatte der Regierende nichts zu besorgen. Im Roten Rathaus präsidierte Bürgermeister Klaus Böger (SPD) bei der Senatssitzung auf dem Chefplatz, vor sich die disziplinierenden Gegenstände: eine Uhr und einen Hammer. "Ein Putsch findet nicht statt", scherzte Böger, als er Platz nahm: "Sie wissen ja, Herr Diepgen ist in Washington."

Dualismus bedeutet Gegensätzlichkeit, Polarität oder auch Rivalität. Das gibt es bei der CDU selbstredend nicht. Und nun soll so etwas selbst bei der SPD nicht mehr sein, wie sich die Führungsgarde geschworen hat, die strengstens den Rücktritt von CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky fordert. Tja, da kann nun Landowsky gar nicht mehr zwischen "meinem Freund Klaus Wowereit" und dem "Hasardeur Peter Strieder" unterscheiden, wo sich Fraktions- und Parteichef so einig sind. Macht nichts, dafür hat Landowsky den "Dualismus" zwischen Strieder und Wowereit entdeckt. Wieso? Weil nur einer von beiden Spitzenkandidat werden kann. Nur wird ja so schnell nicht "geputscht", nicht wegen der Parteispendenaffäre. Die Große Koalition muss doch erst einmal das Milliardenloch im Landeshaushalt durch einen Nachtragsetat stopfen; das ist ein echter Haltbarkeitstest. Womit man wiederum auch bei der Krise der Bankgesellschaft und Landowsky ist.

Vorbildlich sorgt Parlamentspräsident Reinhard Führer für alle seine Kollegen Abgeordneten. Da scheut er keine Verwicklungen. Dieser Tage war SPD-Fraktionsvize Christian Gaebler der Nutznießer. Nach einem Kurzurlaub auf den Kanaren landete Gaeblers Maschine mit Verspätung in München, so dass er unter normalen Umständen den Anschlussflug nach Berlin verpasst hätte. Doch da sah er Führer (CDU) mit seinem Vize Peter Luther (CDU), Präsidiumsmitglied Martina Michels (PDS) und Parlamentsdirektor Werner Gohmert (CDU), die von einem offiziellen Besuch in Madrid kamen, in heftigen Verhandlungen am Schalter. Bei der Zwischenlandung stellte sich heraus, dass sie nicht bis Berlin durchgecheckt waren, die Koffer waren nun verschwunden. Das führte zum verspäteten Start Richtung Tegel. Nur Gaebler strahlte, denn er wurde dadurch mitgenommen.

Seinen richtigen Namen kannten nur wenige; "Timmi" war in Senats- und Parlamentskreisen ein Begriff. Diskretion und und herzlich schlagfertige Offenheit waren bei ihm keine Gegensätze. Seit 25 Jahren war er ein hochbeliebter Chauffeur im Senatsfuhrpark. Erst im Januar feierte er sein Dienstjubiläum, zu dem sogar der einstige Innensenator Peter Ulrich erschien. "Timmi" hat fast nur SPD-Größen seit Ulrich gefahren, die Regierenden Bürgermeister Dietrich Stobbe, Jochen Vogel und Walter Momper, die Fraktionschefs Ditmar Staffelt und Klaus Böger, zuletzt Böger als Senator. Nun ist er mit 58 Jahren gestorben. Die lange Krankkeit hat er immer versteckt.

Man soll eben vor lauter politischer Betriebsamkeit das Wichtigste nicht vergessen. Auch die Grünen-Abgeordnete Elfi Jantzen, Epertin für Sozial- und Familienpolitik, musste sich das sagen. Neulich machte sie ihren beiden Kindern klar, dass sie den Sonnabend bei der Fraktionsklausur ihrer Parteifreunde von der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf verbringen werde; sie müssten deshalb allein zurechtkommen. Da erinnerte sie der "große Sohn" Jan (15) an den 14. Geburtstag, den der "kleine Sohn" Timo an diesem Tag beging. Mutter Jantzen bekam einen Schreck vor sich selbst und entschied sich fürs Familienleben. Die Klausur-Grünen sollen prima ohne sie zurechtgekommen sein.

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