HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Von jungen Souffleuren und schwitzenden Parlamentariern

Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Der letzte Schultag seiner beiden Kinder hat beim parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Uwe Goetze, schon Tradition. Der CDU-Abgeordnete holt an diesem Tag seine Töchter, die elfjährige Franziska und die 15-jährige Sophie, von der Schule ab. Dann werden die Zeugnisse besprochen und der Eis-Lieblingsladen der Töchter aufgesucht. Und die Töchter dürfen sich aussuchen, was sie an diesem Nachmittag mit ihrem Vater unternehmen möchten. Da die beiden Töchter gute Noten erhielten, habe man eigentlich gar nicht so viel zu kritisieren gehabt, sagte Uwe Goetze. Als Haushaltspolitiker und Geschäftsführer der Fraktion achtet man zwar auf die Ausgaben. Doch konnten ihn die Töchter überzeugen, kleine Anhänger für ihre Armbänder zu schenken. Während die Familie auf dem Weg zum KaDeWe war, klingelte bei Uwe Goetze mehrfach das Telefon seiner Pressestelle, die dringend mit ihm einen Text besprechen musste. So las ihm seine jüngere Tochter den Text vor, und Uwe Goetze ließ wiederum über Franziska seine Änderungsvorschläge mitteilen. Diese Art der Vermittlung funktionierte angesichts der in Aussicht gestellten Belohnung offensichtlich ausgezeichnet.

Wegen des Einbaus von Klimaschutzdecken in den Abgeordnetenhaus-Büros im vierten und fünften Stock haben viele Politiker ihre Büros seit Monaten räumen müssen. Alternativ weichen Abgeordnete während der Sommerpause mit ihrer Arbeit nach Haus aus. Oder sie haben ihren Arbeitsplatz in Sitzungssälen eingerichtet, die zu Großraumbüros umfunktioniert wurden. „Da kann ich aber nicht in Ruhe telefonieren oder diskrete Gespräche führen“, sagt Verkehrspolitikerin Jutta Matuschek (Linke). Deshalb hat sie es wie andere vorgezogen, in ein provisorisches Büro in einem der Container umzuziehen, die auf dem Parkplatz des Abgeordnetenhauses stehen. Nicht nur die Enge ist es, die Frau Matuschek zu schaffen macht. Mit akuten Rückenproblemen muss sie nun die Metallleiter hinaufsteigen, um „ihr“ Büro im Container zu erreichen, der auf einem anderen Container steht. Wenn sie an ihrem Arbeitsplatz sitzt, habe die Raumtemperatur „gefühlte 50 Grad“ erreicht, sagt die Linkspolitikerin. In den Containern der Linken hat vorübergehend auch der fraktionslose Abgeordnete Rainer Ueckert sein Arbeitsdomizil gefunden. Er trat vergangenes Jahr aus der CDU-Fraktion aus und ist auch seit Januar kein Parteimitglied mehr. Er wirft Parlamentspräsident Walter Momper (SPD) vor, fraktionslose Abgeordnete gegenüber fraktionsgebundenen Parlamentariern im Hinblick auf die Bürozuteilung zu benachteiligen. Deshalb will Ueckert vor das Landesverfassungsgericht ziehen. Bis dahin hat der Auszug wohl ein Ende gefunden: Die Abgeordneten sollen bis Ende August in ihre alten, dann aber klimafreundlichen Räume umgezogen sein. Sabine Beikler

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