HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Klaus Wowereit unterzieht Horst Köhler einer wohlwollenden Prüfung

Foto: Manfred Thomas
Foto: Manfred Thomas

Das kommt davon, wenn man sein Amt wegwirft: Horst Köhler, Bundespräsident von 2004 bis 2010, ist immer noch nicht Ehrenbürger von Berlin. Das unterscheidet ihn von all seinen Vorgängern im Präsidentenamt, wie sie auf mehr oder minder gelungenen Gemälden in den Fluren des Berliner Abgeordnetenhauses zu sehen sind. Köhlers radikaler Abgang Ende Mai dieses Jahres ist der Grund für die Nicht-Ehrung: Normalerweise werde scheidenden Bundespräsidenten die Ehrenbürgerwürde der Stadt gegen Ende ihrer Amtszeit angetragen, heißt es im Roten Rathaus. Das sei ein „politischer Automatismus“. Der hat zur Folge, dass sich die Geehrten irgendwann von einem Maler ihrer Wahl malen lassen, zudem umsonst mit der BVG fahren dürfen und post mortem ein Ehrengrab bekommen. Vornehm vermeidet man im Roten Rathaus Kritik an Köhlers einzigartigem Ausscheiden aus dem Amt, indem man sagt, dass „die abrupte Entscheidung des damaligen Bundespräsidenten“ das übliche Verfahren verhindert habe.

Und nun? Nun muss der Regierende Bürgermeister diplomatisches Feingefühl beweisen und bei Köhler sondieren, ob der überhaupt die Ehrenbürgerwürde haben will. Heißt es. Alles ist sehr delikat. Wie Wowereit das macht und ob er Köhler bei Gelegenheit ansprechen wird, ist völlig offen. Sollte Köhler wollen, werde die Prüfung der Sache gewiss „wohlwollend“ ausfallen, ist zu hören. Fristen werden nicht genannt – man wolle dem sich rar machenden Ex-Präsidenten „Zeit lassen“. Womöglich schafft es Horst Köhler also doch noch ins Abgeordnetenhaus von Berlin. Irgendwann. wvb.

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