HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Eine theatralische Integrationsdebatte, Feiern im Plenum und Heirat im Stillen

Foto: Mike Wolff
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Wo ihr Parteikollege Özcan Mutlu schon selbst auf der Bühne stand, ist Renate Künast bisher noch nicht gesehen worden: im Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg. Am Freitag nun saß Künast an Mutlus Seite in der ersten Reihe, mehr als 100 Schüler um und hinter sich. Künast hatte die Schüler der Kreuzberger Lina-Morgenstern-Oberschule eingeladen, gemeinsam sah man das von der Kritik viel bejubelte Stück „Verrücktes Blut“. Es geht um Migration und Integration, Schauplatz ist ein Klassenzimmer. Gleich drei Hammerthemen auf einmal – eine gute Gelegenheit also für die Grünen-Spitzenkandidatin, Stellung zu beziehen. Deshalb blieb Künast auch zum Gespräch mit den Schülern. „Gelingt die Befreiung nur mit dem Ablegen des Kopftuchs?“, wollte die Politikerin wissen. Im Stück gibt es eine Szene, in der eine Schülerin – von der Lehrerin mit einer Waffe bedroht – ihr Kopftuch ablegt. „Das Kopftuch hat mit Freiheit nichts zu tun“, sagte die 15-jährige Kübra, eine der wenigen Mädchen mit Kopftuch im Raum. Sie äußerte sich aber erst, als Regisseur Nurkan Erpulat Mädchen mit Kopftuch direkt nach ihrer Meinung fragte. Zuvor waren Ensemblemitglieder und Ballhaus-Leiterin Shermin Langhoff zu Wort gekommen. Manchen Schülern war das zu wenig: Sie hatten sich auf eine Diskussion mit Künast vorbereitet und Geschenke mitgebracht. Als sie diese am Ende überreichten, bekam Künast zu spüren, dass ein Kopftuch eines nicht bedeutet: mangelndes Selbstbewusstsein. Denn es war die 16-jährige Esengül, die mit leichtem Vorwurf zur Politikerin sagte, man habe „ja eigentlich“ mit ihr diskutieren wollen. Worauf Künast versprach, „einfach mal bei euch in der Schule vorbeizukommen“. kba

Es ist schon bedauerlich, wenn der eigene Geburtstag auf einen langen Parlamentstag fällt. SPD-Partei- und Fraktionschef Michael Müller lud am Donnerstag kurzerhand seine Familie ins Abgeordnetenhaus ein, die ihm dort zu seinem 46. Geburtstag gratulierte. Von Parteifreunden erhielt Müller die Stieg Larsson Millennium-Trilogie auf DVD. Linksfraktionschef Udo Wolf überreichte ihm einen Blumenstrauß, den sich der parlamentarische SPD-Geschäftsführer Christian Gaebler für ein offizielles Foto mit Müller schnell „ausleihen“ musste. Die SPD-Genossen hatten Blumen vergessen. Vom Grünen-Politiker Benedikt Lux erhielt Müller einen Kaktus. CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel überreichte Müller ein Buch mit dem Titel „Die Mitte ist rechts von links“. Und FDP-Partei- und Fraktionschef Christoph Meyer schrieb Müller ein paar Zeilen. sib

Von der Ehe als bürgerliche Institution hält Sozialist Harald Wolf offenbar einiges. Still und im engsten Familienkreis heiratete er am 22. Oktober auf dem Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg seine Lebensgefährtin Claudia Falk. Beide haben sich 2008 kennengelernt, als die Hamburger Pressesprecherin einen Job in Berlin suchte. Falk arbeitet seitdem als DGB-Sprecherin, privat entschied sie sich für Harald Wolf. Für den Wirtschaftssenator ist es seine dritte Ehe. Parteifreunde ulkten, dass alle guten Dinge drei sind und wünschten ihrem Genossen alles Gute. sib

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