HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Michael Müller schenkt, Volker Thiel spielt

Foto: Mike Wolff
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Schön, wenn sich nach dem Getöse der letzten Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses für 2010 eine Art Jahresend-Frieden in der Politik ausbreitet. Sogar die Strategen der rot-roten Koalition kommen zur Ruhe. SPD-Landes- und Fraktionschef Michael Müller ließ seinem Kollegen von der Linkspartei, Klaus Lederer, sogar ein Geschenk zukommen – ein Buch mit dem Titel „Mord im Sinn“. Der Sammelband handelt von politischen Morden in Berlin, und Müller schrieb dem „lieben Klaus“ zum Geleit hinein: „Irgendwann stehen wir auch mal in diesem Buch. Bis dahin lass es Dir gut gehen...“ In der Linksfraktion verstand man das nicht als Drohung: „Klingt ein bisschen wie kollektiver Selbstmord“, hieß es.

In der kleinen FDP-Fraktion herrscht das Prinzip Ämterhäufung aus Menschenmangel. Volker Thiel zum Beispiel ist Sprecher für Wirtschaft, Kultur, Technologie, Arbeit und Frauen. Als Fachmann für Frauenpolitik wurde Thiel zu einer Sitzung mit einer Schulklasse im Abgeordnetenhaus eingeladen. Die Schüler hatten sich mit dem Ablauf politischer Prozesse beschäftigt. Am Beispiel eines Antrags zum Thema „Häusliche Gewalt ist keine Privatsache“ wollten sie durchspielen, was daraus wird. Die Verwaltung des Abgeordnetenhauses fragte bei Thiel wegen dessen frauenpolitischer Kompetenz an, ob er in der Schüler-Sitzung dabei sein wolle – und einen SPD-Senator spielen könne. Thiel, der Humor hat, machte gerne mit. Vorher informierte er seine Fraktion über die Sonderrolle – „wegen möglicher Irritationen“, wie er sagt. In der FDP ist Aufregung genug. wvb.

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