HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Walter Momper tituliert, Sebastian Kluckert manipuliert

Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der bundesweiten Diskussion über die Frage, wie Politiker zu akademischen Titeln kommen, fügte der Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper (SPD) am Donnerstag eine besondere Variante hinzu. In der Fragestunde des Parlaments titulierte er den Innensenator Ehrhart Körting (SPD) kurzerhand als Doktor. Der stutzte nur kurz und sagte dann: „Oh, ich wurde befördert!“ Nicht sehr viel später erfuhr Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) eine überraschende Ehrung, als Momper ihn als Herrn Professor Nußbaum ansprach. Immerhin wurde Nußbaum promoviert, trotzdem versicherte er schmunzelnd, auf akademische Titel gut verzichten zu können. Präsident Momper ließ sich, wie immer, nicht beirren: „Professor, das passt doch!“ Der Name Guttenberg fiel in der Parlamentssitzung nicht. za

Normalerweise läuft der Parlamentsbetrieb, auch dank offenbar immer noch sehr ausreichender Manpower in der Verwaltung, aufs Rundeste, und er wird immer weiter perfektioniert. So gibt es eine Art Internet-Vordruck für Kleine Anfragen, als Maske im „Word“-Programm. Unten auf der Seite, auf die die Abgeordneten ihre Anfragen schreiben können, findet sich der Hinweis: „Die Drucksachen des Abgeordnetenhauses sind bei der Kulturbuch-Verlag GmbH zu beziehen. Hausanschrift: Sprosserweg 3, 12351 Berlin-Buckow“. Die Perfektion dieser Maske verleitete den Abgeordneten Sebastian Kluckert zu einem Versuch. Der Rechtsfachmann der FDP-Fraktion veränderte in einer Anfrage den „Sprosserweg“ in „Momperweg“. Das funktionierte. Kluckert ging noch weiter. In einer anderen Anfrage veränderte er den „Sprosserweg“ in „Walter-Momper- Weg“. Der FDP-Mann wollte wohl nicht nur testen, wie fehlertolerant die Politik- Maschine Abgeordnetenhaus ist, sondern auf liberal-anarchistische Weise Mompers von der FDP kritisierte monarchistische Art des Präsidierens verhohnepiepeln. Doch der Angriff blieb nicht unentdeckt. Kluckert bekam nach ein paar Tagen den Hinweis, in seine Anfrage habe sich „ein Fehler eingeschlichen“. Nun geht der FDP-Mann davon aus, dass seine Anfragen ganz genau geprüft werden. wvb.

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