HINTER DEN KULISSEN : HINTER DEN KULISSEN

Von letzten Worten, skurrilen Momenten und dem Leben jenseits des Wahlkampfs

Scheiden tut weh? Von wegen. Nicht alle Politiker, die am Donnerstag ihre letzte Sitzung im Abgeordnetenhaus erlebten, gehen mit Bedauern. „Es lebe das parlamentarische System – ich bin froh, dass ich’s hinter mir habe“, sagte Ex-Kultursenator Thomas Flierl (Linke) launig am Ende seiner letzten Rede als Abgeordneter. Abgeordnetenhaus-Vizepräsident Uwe Lehmann-Brauns (CDU) revanchierte sich, indem er Flierl „trotz Ihres Schlusswortes alles Gute“ wünschte und den Scheidenden als „kompetenten Gegner im Kulturausschuss“ lobte. Letzte Worte gab es auch von anderen Parlamentsveteranen, so von der früheren Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig, die die verbleibenden Abgeordneten mahnte: „Viele von Ihnen werden weiter Verantwortung tragen – nehmen Sie die ernster als in den vergangenen fünf Jahren.“ Überraschend freundlich hingegen manch anderes Wort über die Parteigrenzen hinweg: So lobte der FDP-Mann Klaus-Peter von Lüdeke den Linken-Politiker Flierl: „Es war eine angenehme Arbeit mit Ihnen – das hatte ich am Anfang so nicht erwartet.“ Der SPD-Politikerin Renate Harant war so viel Harmonie fast etwas suspekt: „Das wird langsam ein bisschen sentimental hier“, stellte sie fest. Und fand dann selbst ein paar lobende Worte für die Kollegen von der Opposition, die am 18. September nicht mehr zur Wahl stehen. lvt

Die Politiker müssen zurzeit im Wahlkampf nicht nur ernste Diskussionen führen, sondern erleben allerlei skurrile Momente. So wurde der CDU-Abgeordnete in Steglitz-Zehlendorf und Vize-Präsident des Abgeordnetenhauses, Uwe Lehmann-Brauns, von zwei Damen gebeten, mal eben mit anzupacken, um einen Kaninchenstall mit ins Haus zu tragen. Oder FDP-Politikerin Mieke Senftleben: Auf dem Wahlplakat der Bildungspolitikerin steht „Berlin schlau machen“. Als die Liberale abends in Mitte unterwegs war, sah sie einen Mann aus einer Kneipe auf die Straße wanken, der torkelnd vor diesem Plakat stehen blieb und laut krakeelte: „Ick bin doch nicht doof“! sib

Seit Wochen dreht sich bei Familie Scheeres fast alles außer der Wahl um Fußball. Pepe, der siebenjährige Sohn der SPD-Jugendpolitikerin Sandra Scheeres, fiebert mit seiner Mannschaft einem Auftritt am 17. September im Olympiastadion entgegen. Die kleinen Fußballspieler vom Verein Borussia Pankow sind sozusagen die Vorgruppe der Profis. Sie wurden ausgewählt, vor dem Hertha-Spiel gegen FC Augsburg gegen eine andere Jungenmannschaft zu kicken. Das gegnerische Team steht noch nicht fest. „Wir sind stolz wie Oskar“, sagt Sandra Scheeres. Und als überzeugte Hertha-Fans wird sich die Familie mit Freunden und Verwandten natürlich nach dem Spiel der kleinen Amateure auch die Leistung der Fußballprofis anschauen. sib

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