Berlin : Hinter den Kulissen: Hoppla!

Brigitte Grunert

Ganz klar, dass die Kripo nun auch dem CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel Personenschützer zugeteilt haben, die ihn auf Schritt und Tritt begleiten und aufpassen, dass ihm kein Leid geschieht. Das bekam selbst Wirtschaftssenatorin Juliane Freifrau von Friesen zu spüren. Am Montag trug es sich beim Türkischen Wirtschaftstag im Ludwig-Erhard-Haus zu, dass ausgerechnet die Wirtschaftssenatorin "von drei Bodyguards, die Herrn Steffel keilförmig den Weg in den Saal bahnten, sehr unsanft aus dem Weg geräumt wurde". Sie weiß ja, dass ihr Gesicht noch nicht jeder kennt. Da protestierte sie nicht. Sie sagte bloß: "Hoppla!"

Häuslich einrichten will sich der "Übergangssenat" nicht, vor der Wahl doch nicht. "Ich verrücke nicht mal einen Kaktus", schwört Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne). Der Regierende Klaus Wowereit lässt auch die Schlachtensee-Landschaft von Leistikow hängen, obwohl er das Bild nicht mag: "Zu dunkel, da wird man ja depressiv." Etwas Farbenfreudiges soll an die Wand - falls ihm die Wähler Zukunft im Roten Rathaus gestatten. Zur Erheiterung hat er eine Tischkarte auf dem Schreibtisch aufgebaut. Die hat er sich von einem Abend beim früheren Kultursenator Christoph Stölzl aufgehoben. Die Gäste sollten an Bildchen und Charakteristika ihre Namen raten. Wowereit erriet seinen leicht am Krokodil und den Worten: "Sehr elegant, leider auch gefährlich."

Farbe bringt auch Stölzls Nachfolgerin Adrienne Goehler in den Senat, die wie Frau von Friesen parteilos mit Grünen-Ticket amtiert. Frau Göhler fällt durch extravagante Kleidung, unkonventionelles Auftreten und schlagfertige Bemerkungen auf. Selbst im Abgeordnetenhaus griff sie schon zum Fächer, um sich Luft zu machen. Sie stellt auch gern während der Senatssitzung ihre Schuhe unter den Tisch und läuft dann barfuß durch den Sitzungssaal.

Nach altem Brauch sitzen die Chefs der Koalitionsfraktionen dienstags mit am Senatstisch. Sibyll-Anka Klotz (Grüne) und Michael Müller (SPD) wurden nun als Neulinge mit den Usancen vertraut gemacht und herzlich eingeladen, sich an der kollegialen Getränke-Kasse zu beteiligen. Doch 90 Mark pro Person und Quartal fand Frau Klotz zu teuer. Macht ja bei 13 Dienstagen im Vierteljahr acht bis neun Mark pro Senatssitzung. Sie bringt sich Kaffee und Mineralwasser lieber von zu Hause mit.

Wie manchem neuen Senator ging es auch Staatssekretär Frank Bielka, als er von der Bauverwaltung zur Finanzverwaltung wechselte, wo er schon einmal vier Jahre bis 1999 gedient hatte. Er fand ein tipptopp aufgeräumtes Amtszimmer vor, sämtliche Akten fortgeschafft in die Registratur. Das Einzige, was er, abgesehen vom Telefon, auf dem Schreibtisch fand, war ein "letzter Gruß" seines Vorgängers Robert Heller: der schwarz-rote Koalitionsvertrag von 1999.

Im Oberstufenzentrum Wirtschaft in Alt-Moabit rauchten neulich die Köpfe der Grünen wegen der Wahlkampfstrategie. Da platzte mitten in die Beratungen ein Wasserschwall von der Decke. Papiere und Delegierte wurden nass. Der Hausmeister konnte abends nichts mehr machen. Alles musste sich auf die trockene Seite des Raumes flüchten. Und trocken meinte Parteichefin Regina Michalik: "Haben wir doch immer gesagt, dass man an den Schulen nicht weiter sparen darf." Steht ja auch schon im Wahlprogramm der SPD.

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