Berlin : Hinter den Kulissen: Neues aus der Berliner Polit-Szene

Brigitte Grunert

Unter der fachkundigen Führung des früheren Landeskonservators Helmut Engel besah sich der Regierende Klaus Wowereit neulich zusammen mit seinem SPD-Fraktionschef Michael Müller den Stand der Restaurierung des Brandenburger Tors. Dafür ist ja Engel als Geschäftsführer einer Stiftung zuständig. Bei seinen ausführlichen kunsthistorischen und baulichen Erläuterungen erklärte Engel nun auch die Reliefs mit Darstellungen aus der griechischen Mythologie. Ganz besonders hatte es ihm wohl die Szene angetan, wie Herkules den Augias-Stall ausmistet. Alle lächelten feinsinnig, sagten aber keinen Ton. Die Bankenkrise, das neue Senatsregiment - die Gedanken sind frei. Wozu Wahlkampftöne ohne Öffentlichkeit?

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Berlin vor der Wahl Zehn Jahre wusste man vor jeder Wahl, dass Große Koalition herauskam. Immerhin hat Wowereit geschafft, dass man es diesmal nicht weiß. Alle reden nur von Optionen. "Wir streben keine Ampelkoalition an", sprach Günter Rexrodt, natürlich nicht. Andererseits will der FDP-Vorsitzende und Ex-Senator Juniorpartner der CDU oder SPD werden, je nachdem, mit wem er "am besten liberale Politik durchsetzen kann". Das klingt programmatisch, obwohl es nur aufs Wahlergebnis ankommt. Falls es für den "bürgerlich-liberalen Gesellschaftsentwurf" (Frank Steffel) nicht reicht, schaltet Rexrodt die rot-gelb-grüne Ampel ein. Wie sagte er? "Ich kann die Ampel nicht ausschließen, wie ich auch nicht ausschließen kann, dass ich vom Blitz erschlagen werde." Na, na, bloß kein tödliches Unwetter.

Der Zehlendorfer CDU-Abgeordnete Michael Braun aber prognostiziert "realistisch eine Koalition gegen die CDU". Wieso? Ach, er ist deprimiert, denn in seiner Steglitz-Zehlendorfer CDU hängt der Haussegen schief. Erst wurde Braun im Frühjahr als Kreischef abserviert, jetzt wurden er und seine Mitstreiter wie Stefan Schlede und Kerstin Richter-Kotowski nicht wieder für Parlamentsmandate nominiert. Das Wort von einer neuen "rodungspolitischen Machtclique ohne Qualität" geht um. Da haut Parteisprecher Matthias Wambach aber kräftig zu: "Der Zustand der CDU ist ausgezeichnet. Stunk gibt es nur in Zehlendorf, weil einige nicht verlieren können, und die repräsentieren nicht die Partei."

Auf einige alte Herren kommt es in der CDU schon noch an. Auch der instinktsichere Wahlkämpfer Peter Radunski macht sich nützlich. Der frühere Kultursenator schreibt immer seine Ringbücher mit Eindrücken und Ideen voll, die er in der Wahlkampfzentrale heraussprudelt, genannt "Powerpoint Steffel". Und Peter Kittelmann ist wichtig, der in Jahrzehnten geübte innerparteiliche Mehrheitsbeschaffer. Dieser Tage hatte Kittelmann zu seinem 65. Geburtstag an die 150 Party-Gäste auf seinem Dahlemer Rasen. Eberhard Diepgen und Klaus Landowsky waren auch da, Diepgen in der Vorfreude auf einen langen Erholungsurlaub. Nur Landowsky soll keinen sehr glücklichen Eindruck gemacht haben. Der strahlend junge Frank Steffel kam später und ging früher. Tja, auf ihm lastet nun alles.

Der neue stellvertretende Senatssprecher Albert Eckert, von den Grünen gestellt, und sein SPD-naher Chef Helmut Lölhöffel sind offenbar ein Herz und eine Seele. Eckert ist immer mit Akten eingedeckt ("Lölhöffel enthält mir nichts vor"), und selbst die Verbindungstüren zwischen den Büros der beiden stehen immer offen. Wenn das kein Beweis für vertrauensvolle Zusammenarbeit ist. So nahm es Eckert auch nicht krumm, dass an den ersten Tagen sein Telefon nicht funktionierte und die Reparatur dauerte. Er hatte ja keine Langeweile.

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