Berlin : Hinter den Kulissen: Neues aus der Berliner Politszene

Sabine Beikler / Ulrich Zawatka-Gerlach

Momentan feiert die SPD die Feste, wie sie fallen. Die Stimmung könnte kaum besser sein, und man pflegt das neue Wir-Gefühl. Zum Beispiel am vergangenen Dienstag, als im Kreise der sozialdemokratischen Abgeordnetenhausfraktion der 80. Geburtstag von Franz Ehrke gefeiert wurde. Ein vertrautes Terrain für den Jubilar, der von 1977 bis 1981 bekanntlich selbst SPD-Fraktionschef war. In jener, für die Berliner SPD so schwierigen Zeit habe er gelernt, dass die eigentlich Mächtigen die Fraktionsvorsitzenden seien, sagte der frühere Regierende Bürgermeister Dietrich Stobbe in einer kleinen Festrede. Er wusste, wovon er sprach und drei anwesende Nachfolger Ehrkes - Walter Momper, Klaus Wowereit und Michael Müller - konnten sich ein wissendes Lächeln nicht verkneifen. Ehrke, ehemals Kaufmann von Beruf und schon deshalb mit beiden Beinen im Leben stehend, war gewissermaßen bekannt dafür, dass er seine Leute im Griff hatte. Sitzungen der SPD-Fraktion dauerten bei ihm höchstens zwei Stunden. Ein wieder erstrebenswertes Ziel. P olitiker, die Müller, Meier oder Schröder heißen, müssen jederzeit mit Namensvettern rechnen. Aber Senftleben? Ja, doch. Die ehemalige FDP-Landesvorsitzende in Berlin, Mieke Senftleben, hat ihre politische Heimat Pankow mit Reinickendorf getauscht und tritt dort, mit Aussicht auf Erfolg, als bezirkliche Spitzenkandidatin der Liberalen an. Auf den Wahlplakaten, die im Berliner Norden zu finden sind, ist aber auch ein Peter Senftleben zu sehen: Jugendstadtrat und Bürgermeister-Kandidat für die SPD. Immer wieder wird die FDP-Frau Senftleben von Bürgern gefragt: Ist das Ihr Mann, geht das gut, so eine bi-parteiliche Ehe? Aber beide Politiker sind weder verwandt noch verschwägert und haben sich erst kürzlich persönlich kennen gelernt. "Guten Tag, Senftleben." "Angenehm, Senftleben". War das ein vorgezogenes Koalitionsgespräch?

Altgediente Politiker können das Geschäft einfach nicht lassen. Als am Dienstag der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor dem offiziellen Empfang zu einem kleinen Meinungsaustausch in sein Amtszimmer einlud, saß schon friedlich vor seiner Tür Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Der Hanseat war zum Empfang im Wappensaal eingeladen und kam offensichtlich ein bisschen zu früh ins Rote Rathaus. Zwischen Journalistentrauben, Sicherheitstross und Dolmetschern schlüpfte auch Helmut Schmidt in das Amtszimmer und brachte das Protokoll völlig in Verwirrung.

Man kann doch einen ehemaligen Bundeskanzler nicht aus dem Zimmer werfen! So bat Klaus Wowereit Herrn Schmidt, sich neben ihn zu setzen. Das ließ sich der Überraschungsgast nicht zweimal sagen und mischte sich fortan fröhlich ins Gespräch ein. Als das Thema auf die Beziehungen zwischen Russland und Berlin kam, sagte Putin zu Wowereit: "Wir wollen hoffen, dass Ihr Kabinett in nächster Zeit nicht wechselt." Der Regierende antwortete höflich: "Wir arbeiten dran." Daraufhin legte Helmut Schmidt seine Hand väterlich-fürsorglich auf Wowereits Arm, beugte sich wissend dem russischen Gast zu und raunte: "Er hat ja auch noch nicht viel Zeit gehabt, Fehler zu machen."

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